Im Juli 2026 gab „Wiki Workers United U.S.“ –
eine Gruppe von Mitarbeitenden der Wikimedia Foundation, die eine
Gewerkschaftsgründung anstrebt – bekannt: Sie haben die Wikimedia
Foundation dazu aufgefordert, die „Communications Workers of
America“ (CWA) freiwillig als ihre Gewerkschaftsvertretung
anzuerkennen. Die Mitarbeitenden hatten dafür sogenannte Union Authorization Cards
unterzeichnet.
„Wiki Workers United“ forderte die WMF daher auf, mit der CWA
Verhandlungen aufzunehmen. Daraufhin schlug die Wikimedia Foundation Anfang
August vor, zunächst eine geheime Abstimmung über die Frage der
Gewerkschaftsgründung unter Aufsicht des National Labor Relations
Board (NLRB) abzuhalten.
Dieses Vorgehen erzeugte Kritik. Der Vorwurf: Es handele sich
dabei um eine Verzögerungstaktik, mit der die gewerkschaftliche
Organisation der Mitarbeitenden verhindert werden soll.
Um eine Abstimmung für die Mitarbeitenden der WMF zu
organisieren, wandte sich die Gewerkschaft CWA an das NLRB. Diese
Bundesbehörde ist für die Überwachung der rechtmäßigen
gewerkschaftlichen Organisation von Beschäftigten im privaten
Sektor zuständig. Die Abstimmung wird am 3. September. abgeschlossen
sein.
Bei der Registrierung beim NLRB hat die Wikimedia Foundation
auch ihre anwaltliche Vertretung angegeben: Die Kanzlei Littler
Mendelson. Das geht aus einem Medienbericht hervor. Die Quelle
dafür: Wikipedia selbst und ein dort verlinktes offizielles
Dokument. Allerdings ist die Seite des NLRB mit einer deutschen
IP-Adresse aktuell nicht aufrufbar.
Deswegen ist der Betriebsrat für
Wikimedia Deutschland wichtig
Die Wahl dieser Kanzlei hat Kritik am Vorgehen der Wikimedia
Foundation hervorgerufen. Der Grund: Littler Mendelson ist für
sogenanntes Union Busting bekannt. Die
Kanzlei hat laut Medienberichten, die in einem Wikipedia Artikel
zitiert werden, bisher Unternehmen – darunter Starbucks, Amazon und
Apple – beraten, wie sie vermeiden können, dass die Mitarbeitenden
sich gewerkschaftlich organisieren.
Aus Sicht von Wikimedia Deutschland ist es daher verständlich,
dass die Entscheidung der WMF, die Anwaltsfirma Littler Mendelson
als Vertretung im Gewerkschaftsgründungsprozess heranzuziehen,
Kritik und Irritationen hervorruft.
Wikipedia steht für Kooperation und Werte wie Partizipation,
Transparenz sowie das Finden eines bestmöglichen Konsens. Diese
zentralen Merkmale der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte sind
zugleich ihre größte Stärke. Sie schaffen Vertrauen und Akzeptanz.
Es sind eben diese Werte, die ihren Ausdruck auch in der
Aushandlung von Arbeitnehmenden- und Arbeitgebendeninteressen
finden.
Franziska
Heine Geschäftsführende
Vorständin Wikimedia Deutschland
Dabei bestreitet Heine nicht, dass es anstrengend sein kann,
wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmendenvertretung miteinander
verhandeln. Aber der große Mehrwert eines Betriebsrats sei einfach
unübersehbar.
Der Betriebsrat setzt eigene Impulse und kann dazu beitragen,
potenzielle Konflikte zu erkennen. Ganz besonders wichtig ist für
uns als Arbeitgeber: Er unterstützt uns dabei zu lernen, was
Menschen bei Wikimedia Deutschland hält und wo wir noch besser
werden können.
Franziska
Heine Geschäftsführende
Vorständin, Wikimedia Deutschland
So blicken
Betriebsratsmitglieder auf ihr Engagement
Den Betriebsrat bei Wikimedia Deutschland gibt es bereits seit
2014.
Seit 2022 ist Merle von Wittich eines der insgesamt sieben
Betriebsratsmitglieder. Sie arbeitet seit 2011 für Wikimedia
Deutschland und kümmert sich im Team Community und Engagement um
Formate, die Wikipedianer*innen dabei unterstützen, neue
Ehrenamtliche zu gewinnen. Ihre Erfahrung darin,
Unterstützungsangebote zu entwickeln und ihr Gestaltungswille haben
sie dazu motiviert, sich auch für die Interessen der Mitarbeitenden
von Wikimedia Deutschland einzusetzen.
Betriebsratsarbeit ist in Deutschland der beste Weg,
Aushandlungsprozesse in ein Unternehmen zu übertragen. So leben
Grundprinzipien der Wikipedia wie Kooperation und Partizipation
auch im Kollegium und im Verhältnis von Arbeitgeber und
Arbeitnehmenden fort.
Merle von
Wittich Referentin
Community-Netzwerk, Wikimedia Deutschland
Merles Lieblingsthema ist Gesundheit. Sie findet es wichtig,
gemeinsam mit dem Arbeitgeber Angebote zu entwickeln, die sowohl
die psychische als auch die physische Gesundheit fördern. Den
Gesundheitstag für alle Mitarbeitenden hat sie mit dem Betriebsrat
angestoßen und gemeinsam mit der Personalabteilung und der
Abteilung Finanzen umgesetzt. Gleiches gilt für eine Analyse der
Arbeitsbedingungen bei Wikimedia Deutschland. Das Ziel:
Stressfaktoren am Arbeitsplatz zu erkennen und so die Gesundheit
der Beschäftigten zu schützen.
Lucas Werkmeister kommt ebenso wie Merle von Wittich aus einem
Bereich bei Wikimedia Deutschland, der die Community der
Ehrenamtlichen unterstützt. Er arbeitet als Softwareentwickler an
der größten freien und offenen Wissensdatenbank Wikidata mit. Er
ist seit 2017 bei Wikimedia Deutschland und hat sich im Jahr 2018
erstmals zur Betriebsratswahl gestellt.
Der Betriebsrat ist für mich die Stelle, die am besten dafür
geeignet ist, um ein vollständiges und realistisches Bild von der
Situation der Arbeitnehmenden zu bekommen – und sie daraus
resultierend unterstützen kann, ihr Arbeitsumfeld zu
verbessern.
Lucas
Werkmeister Software
Entwickler, Wikimedia Deutschland
Lucas fallen dabei zahlreiche Betriebsvereinbarungen ein, die
genau das erreicht haben und im Kollegium sehr geschätzt werden.
Etwa zum mobilen und hybriden Arbeiten, zum Betrieblichen
Eingliederungsmanagement oder zum Gehaltssystem. Wobei ein
Betriebsrat nur die Entlohnungsgrundsätze, aber nicht deren Höhe
aushandeln kann. Eine Gewerkschaft, die einen Tarifvertrag
aushandeln könnte, hat Wikimedia Deutschland noch nicht.
Ob die beiden Konflikte oder Probleme im Aushandeln von
Konflikten sehen? Spannungen gibt es sicherlich manchmal, so Merle
von Wittich, aber die seien produktiv. Sie erlebt einen
wertschätzenden Umgang miteinander – im Betriebsrat und in
Gesprächen mit dem Arbeitgeber. Sie und Lucas Werkmeister sind sich
einig: Auch wenn wir nicht immer übereinstimmen, können wir doch zu
verschiedenen Themen gut zusammenarbeiten. Am Ende gehe es darum,
sich auszutauschen und Lösungen für Mitarbeitende zu
erarbeiten.
So geht es in den USA jetzt
weiter
Die Stimmzettel für die NLRB-Abstimmung wurden bereits am 11.
August an die berechtigten Wikimedia-Mitarbeitenden in den USA
versandt. Am 3. September 2026 werden sie in der Regionalstelle der
NLRB in San Francisco ausgezählt. Sollte diese Abstimmung auch
ergeben, dass die Mehrheit der Mitarbeitenden sich
gewerkschaftliche Vertretung wünscht, gehen wir davon aus, dass die
Wikimedia Foundation sich in konstruktive und faire Verhandlungen
mit der Gewerkschaft begeben.
Demokratie lebt von Beteiligung. Aber damit die Bürger*innen
sich einbringen und informierte Entscheidungen treffen können,
brauchen sie verlässliches Wissen und eine gemeinsame
Faktengrundlage – das gilt besonders vor Wahlen. Wikipedia bietet
diese Informationen kostenlos und frei zugänglich. Die Vielzahl von
Artikeln zu Politiker*innen, Parteien, den Abläufen verschiedener
Wahlen oder auch zur Demokratiegeschichte in
Deutschland werden von einer engagierten Community sorgfältig
recherchiert, geprüft und verständlich aufbereitet.
Gleichzeitig gibt es wichtige Projekte: Wiki Loves Parliaments widmen sich
speziell der Darstellung von Landtagen und ihrer Zusammensetzung.
Wiki Loves Democracy wiederum
verhilft demokratischen Vereinen, Institutionen und Strukturen zu
mehr Sichtbarkeit in der Wikipedia.
„Das Mitmachen in der Wikipedia selbst bedeutet einen Beitrag
zur Demokratie“, findet der Wikipedianer Kupaka. Schließlich
demokratisiert die Online-Enzyklopädie Wissen – und sie
funktioniert selbst nach demokratischen Prinzipien: alle können
mitmachen.
Wir wissen aus Umfragen, dass eine Mehrheit der Deutschen die
Demokratie als Regierungsform unterstützt – aber viele sind mit
ihrem Funktionieren nicht zufrieden. Wer an Wikipedia-Artikeln
mitwirkt, hilft, das Funktionieren zu verbessern.
Bärbel
Miemietz Ehrenamtliche
NGOs in der Wikipedia sichtbar
machen
Ein konkretes Beispiel dafür ist der Edit-a-thon „Editiere Deine
Lieblings-NGO“, den die beiden vor kurzem im lokalen Raum Wikipedia:Hannover erstmals organisiert haben –
als Teil von „Wiki Loves Demokratie“. Der Impuls dazu kam von
Kupaka: „Mein Ausgangspunkt war der weltweite Rechtsruck“, erzählt
er. „Ich wollte sichtbar machen, welche vielfältigen Organisationen
es in der Zivilgesellschaft gibt, die sich dieser Entwicklung
entgegenstellen, indem sie verschiedene Bereiche der Demokratie
stärken.” Oftmals geraten NGOs ins Visier der Rechtspopulisten und
Rechtsextremen, besonders, wenn sie staatliche Förderung
erhalten.
Für die Schreibwerkstatt – an der auch Ehrenamtliche aus Berlin
und München sowie weitere Online-Teilnehmende mitgemacht haben –
erstellte Kupaka eine umfangreiche Liste von
demokratiestärkenden und zivilgesellschaftlich relevanten
Organisationen, deren Wikipedia-Artikel ausbaufähig sind oder die
noch gar keinen Eintrag besitzen. Die Spanne reicht von
Organisationen, die sich für Demokratie, Menschenrechte und
Korruptionsbekämpfung einsetzen, über Faktenchecker*innen wie
HateAid bis hin zu Umweltschutzorganisationen wie dem NABU. Bärbel
Miemietz, die als Wikipedianerin einen Schwerpunkt auf
Gleichstellungsthemen hat, widmete sich während des Edit-a-thons
beispielsweise dem Deutschen Ärztinnenbund.
„Die Themen fliegen einem
zu“
Die Veranstaltung hatte so viel positive Resonanz, dass im
November eine zweite Ausgabe folgt. Die beiden Wikipedia-Aktiven
wünschen sich, dass dann möglichst viele der insgesamt sechs von
Wikimedia Deutschland geförderten Lokalen Community-Räume ihre
Türen für Teilnehmende öffnen. Und dass sich noch mehr Neulinge für
den Edit-a-thon interessieren. Denn willkommen sind natürlich nicht
nur gestandene Wikipedianer*innen, sondern alle Interessierten.
Vielleicht ist der Benefit der Arbeit in der Wikipedia manchen noch
nicht klar genug: dass man damit eine große Reichweite hat und viel
bewegen kann.
Save the Date: 21. 11. 2026 von 10
bis 18 Uhr, Hannover
Edit-a-thon „Editiere Deine
Lieblings-NGO“
Neue Interessierte und erfahrene Wikipedianer*innen sind
willkommen. Wer nicht vor Ort dabei sein kann, kann online
teilnehmen. Anmeldung unter: einladung-hannover@wikipedia.de
Er selbst investiert fünf bis zehn Stunden pro Woche in die
Wikipedia-Arbeit, befasst sich vor allem mit Themen im Bereich
natürliche Rohstoffe, Treibhausgase oder europäische Klimapolitik –
„da ist vieles in der Pipeline, das noch bearbeitet werden müsste“,
so Kupaka. Für Bärbel Miemietz ist ihr Ehrenamt sogar „mindestens
ein Halbtagsjob.“ Eigentlich sei sie im Kopf immer mit Wikipedia
beschäftigt, fotografiert neben der Artikelarbeit auch. „Wenn ich
in Hannover durch die Straßen laufe, sehe ich ständig Motive, die
ich gerne bei Wikimedia Commons hochladen und in Artikel einfügen
oder mit Wikidata verknüpfen möchte. Die Themen fliegen einem
zu!“
Doch selbst wer nur die Zeit hat, eine kleine Änderung in der
Wikipedia vorzunehmen, leistet einen wertvollen Beitrag. Jeder Edit
zählt.
Wünsche für die Zukunft der
Demokratie
„Nur sein Kreuz bei Wahlen zu machen, das genügt nicht mehr für
die Stärkung der Demokratie“, ist Kupaka überzeugt. „Gerade dann
nicht, wenn sie unter Druck gerät.“ Schon deswegen hält er es für
sinnvoll, sich durch die Arbeit in der Wikipedia demokratisch zu
engagieren. Bärbel Miemietz ergänzt, was sie als klare Botschaft
von der diesjährigen Wikimania in Paris mitgenommen
hat:
Wikipedia ist einer der letzten Orte, an denen Texte noch von
Menschen geschrieben, geprüft und mit renommierten Quellen belegt
werden – das macht sie verlässlich. Nur durch Menschen kann auch
neues Wissen entstehen, während eine KI lediglich Vorhandenes
reproduziert.
Für die Zukunft der Demokratie hat sie einen klaren Wunsch:
„Dass sie uns erhalten bleibt – und mehr Menschen realisieren, dass
sie keine Selbstverständlichkeit ist.“ Die Populisten machten einem
sehr genau vor, was es zu vermeiden gelte, zählt Kupaka auf. Zum
Beispiel: „Die Verdrehung von Fakten, Schwarzweiß-Denken, die
Abwertung von politischen Gegnern.“ Das Gegenteil davon sei
anstrengender und koste mehr Zeit, aber es bleibe unerlässlich,
betont Bärbel Miemietz: „Sich informieren, einander zuhören,
gemeinsam klären, was die Fakten sind“. Auch dafür ist die
Wikipedia das beste Beispiel.
Publikation: Wissen teilen ist
Demokratie leben
Wie hängen Freies Wissen und Demokratie zusammen, und was kann
jede*r Einzelne tun, um sie zu stärken?
Wikimedia Deutschland vertritt die Werte von Beteiligung,
Diversität, freiem und offenem Zugang, Gerechtigkeit,
Nachhaltigkeit und respektvolle Zusammenarbeit. Wir positionieren uns klar gegen jede Form von
gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Verletzung der
Menschenwürde und Nichtachtung der freiheitlich demokratischen
Grundordnung.
Darum geht es im Fall „Bayern
gegen Markus Drenger“
Der Open-Data-Aktivist Markus Drenger hatte Geodaten bei GitHub
veröffentlicht. Konkret geht es um eine Tabelle mit Koordinaten,
Höhen und Umrisse von Häusern. Ein gutes Beispiel dafür, wie
Ehrenamtliche immer wieder öffentliche Daten von verschiedenen
Stellen zusammentragen – für andere Ehrenamtliche, Kommunen,
Unternehmen oder auch Forschende.
Die Daten werden in den 16 Bundesländern erhoben. Dann werden
sie in der Datenbank „Hauskoordinaten Deutschland“, der HK-DE,
zusammengeführt und vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie auf
deren Webseite veröffentlicht. Drenger hatte die Daten später auf
der Website des Bundesamts für Luftsicherheit gefunden. Weil sie
dort frei zugänglich waren, ging Drenger davon aus, dass es sich um
öffentliche Daten im Sinne des Datennutzungsgesetzes (DNG)
handelte. Das DNG regelt, dass unter anderem Daten von öffentlichen
Stellen wie Kommunen oder Behörden für jeden kommerziellen oder
nichtkommerziellen Zweck genutzt werden dürfen. Damit können
Behörden sich nicht auf das Datenbankherstellerrecht berufen.
Trotzdem erhielt Markus Drenger 2021 Post vom bayerischen
Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung. Die
Behörde war der Ansicht: Weil es den Datensatz mit Postleitzahlen
der Deutschen Post ergänzt hatte, habe es eine schützenswerte
Leistung erbracht. Es berief sich dabei auf das
Datenbankherstellerrecht. Das soll wirtschaftliche Investitionen
schützen, die Personen oder Unternehmen tätigen, um Datenbanken
herzustellen.
Bereits hier wird deutlich: Die Ausgangslage ist kompliziert.
Verschiedene Behörden sind involviert. Das Risiko: Sind gesetzliche
Regelungen unklar, vertreten Behörden unterschiedliche Auffassungen
zu Gesetzen, die den Umgang mit Daten regeln.
Ein Prozess um offene Daten –
aber mit existenziellen Folgen
Der Freistaat Bayern klagte auf Unterlassung und wollte von
Drenger Auskunft über die von ihm veröffentlichten Daten erhalten.
Und damit nicht genug: Das Amt forderte außerdem Schadenersatz –
und der hätte in die Millionen gehen können. Das berichtet der
Open-Data-Aktivist im Wikimedia-Podcast Monsters of Law.
Mit dem Abspielen des Videos erklären Sie sich damit
einverstanden, dass YouTube und Google Ihre Daten speichern und
verarbeiten dürfen. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Denn die Behörde möchte mit öffentlich finanzierten Geodaten,
die sie um Postleitzahlen ergänzt hat, Geld verdienen, indem sie
für die Lizenzierung und Bereitstellung Gebühren erhebt. Und das
nicht zu knapp. Etwa 1,3 Millionen Euro für Lizenzen habe das Amt
eingenommen, sagt deren Vertreter im Gerichtsverfahren. Für Markus
Drenger war der Prozess also auch eine existenzielle Frage, wie er
im Podcast beschreibt. Grundlegende Lebensfragen lagen für ihn über
Jahre auf Eis. Denn für Drenger blieb unklar, ob er für die
Bereitstellung von öffentlichen Daten am Ende Millionen Euro
Schadenersatz zahlen müsste.
Unsere Argumentation für frei
nutzbare Geodaten
Markus Drenger und Wikimedia Deutschland meinen: Die Datenbank
mit den betroffenen Geodaten fallen in den Anwendungsbereich des
Datennutzungsgesetzes. Sie sind damit unserer Ansicht nach nicht
nach dem Datenbankherstellergesetz als Datenbank schützbar.
Hinzu kommt: Die fraglichen Daten werden von den
Vermessungsämtern in den Ländern erfasst – also mit unseren
Steuergeldern finanziert. Daher sollten sie auch der Öffentlichkeit
frei zur Verfügung stehen. Getreu dem Grundsatz: Öffentliches Geld
– Öffentliches Gut. Dieses Prinzip liegt auch der Open Data
Richtlinie der EU und dem daraus resultierenden deutschen
Datennutzungsgesetz zugrunde.
So ging der Prozess
aus
Um die strittigen Fragen zur Nutzung der Daten zu klären, fand
am 30. Juli 2026 der Prozess vor dem Oberlandesgericht München
statt. Wikimedia Deutschland unterstützt den Open-Data-Aktivist
Markus Drenger, weil es darum geht, wie viel öffentlich
finanziertes Wissen auch öffentlich verfügbar ist und von uns allen
rechtssicher genutzt werden kann.
Das Ergebnis: Die Klage des Freistaates wurde abgewiesen – aber
das erfolgte lediglich aufgrund eines Prozessfehlers. Gut für
Drenger, denn er muss keinen Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen.
Aber für alle, die öffentliche Daten nutzen wollen, hat der Prozess
keine Klarheit gebracht. Denn Inhaltliche Fragen zum
Datennutzungsgesetz wurden nicht geklärt.
Das sollte sich jetzt
ändern
Das Verfahren hat erneut gezeigt, dass es in den Bundesländern
unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wie das
Datennutzungsgesetz anzuwenden ist. Einige Länder veröffentlichen
Geodaten und machen sie frei zugänglich und für jeden Zweck
nachnutzbar. Andere, wie der Freistaat Bayern, meinen, es handele
sich um geschützte Datenbanken. Vor allem dann, wenn Datensätze der
öffentlichen Hand mit Daten von Unternehmen angereichert werden.Für
Behörden gibt es weiterhin ein Schlupfloch, wenn öffentliche Daten
durch private Daten ergänzt werden. Diese Rechtsunsicherheit muss
geschlossen werden. Das wäre dadurch möglich, dass der Gesetzgeber
klarstellt, dass eine Behörde sich auch dann nicht auf das
Datenbankherstellerrecht berufen kann, wenn der Datensatz durch
Dritte angereichert wurde. Insbesondere dann, wenn es – wie in
diesem Fall – um Daten von Unternehmen geht, die Aufgaben der
öffentlichen Daseinsvorsorge wahrnehmen.
Es gibt viele Kritikpunkte an Google. Der Konzern sammelt
massenhaft Daten von uns Nutzer*innen: Suchanfragen, Standortdaten
und Nutzungsverhalten werden zur Personalisierung und für Werbung
ausgewertet. Dagegen können wir uns nur begrenzt wehren. Zudem
bleibt oft unklar, warum bestimmte Informationen gar nicht oder
erst weit hinten in den Suchergebnissen auftauchen. Je nach
Standort und Suchverlauf können diese ganz unterschiedlich
ausfallen. Das birgt die Gefahr, dass wir weniger unterschiedliche
Perspektiven zu sehen bekommen.
Die Realität ist aber: Menschen sind Gewohnheitstiere. Google
wird mit Abstand am häufigsten für die Suche im Netz genutzt. Wir
geben Tipps dafür, wie Nutzende mit Wikipedia die Google-Suche
besser machen können und welche Suchmaschinen-Alternativen es
gibt.
So stellen Sie Wikipedia als
bevorzugte Quelle ein
Sie wollen Google weiter nutzen, aber legen Wert darauf, dass
bei den Suchergebnissen seriöse Quellen, gute
Überblicksdarstellungen und gesichertes Wissen im Vordergrund
stehen? Dann ab in die Einstellungen! Seit kurzem können Nutzende
dort auch Wikipedia als bevorzugte Quelle auswählen. So geht’s!
Google-Konto anklicken
Menüpunkt „Personalisierung der Suche“ auswählen
Option „Bevorzugte Quellen“ suche
Wikipedia eintippen und auswählen
Mit direktem Draht zu freiem und verlässlichen Wissen
suchen
Wikipedia als bevorzuge Quelle
bei Google hinzufügen
So erhöhen Sie
die Chance, dass bei Google-Suchen Informationen aus der Wikipedia
angezeigt werden – transparent, quellengeprüft und von Menschen
gepflegt.
Warum die Suche besser ist als
der KI-Modus
Wer die Google-Suche aktuell nutzt, hat es sicher schon bemerkt:
Bei Suchanfragen erscheint inzwischen zunächst eine KI-generierte
Übersicht. Erst darunter folgen die klassischen Suchergebnisse und
Links zu verschiedenen Webseiten.
Doch dabei soll es nicht bleiben: Google hat angekündigt,
von der klassischen Suche auf den
KI-Modus als Standardeinstellung umzustellen. Das KI-Prinzip
dürfte damit künftig noch stärker bestimmen, welche Informationen
wir bei einer Suche zu sehen bekommen.
Das Problem: Eine KI liefert nur fertige Zusammenfassungen. Für
Nutzende ist nicht ersichtlich, welche Informationen ausgewählt
oder weggelassen wurden. Die Datengrundlage für das Training der KI
sind ebenso wenig bekannt wie der Code und die Algorithmen, die ihr
Zugrunde liegen. Kurzum: Sie ist eine Blackbox.
Neue KI-Google-Suche:
Hochproblematisch für uns alle!
Die Pläne von Google sind also besorgniserregend. Denn dadurch
verliert das Internet sein demokratisches Potenzial: den direkten
Zugang zu einer Vielzahl unabhängiger Quellen.
Das Prinzip, dass Nutzende entscheiden, welche Quelle sie lesen,
vergleichen oder für vertrauenswürdig halten, ist ein hohes Gut,
das grundlegend verschoben wird. Es droht eine Verarmung der
Informationsvielfalt, ein Mangel an Transparenz und noch stärkere
Machtkonzentration und Abhängigkeit von wenigen
Plattformen.
Lilli
Iliev Leiterin Politik und
Öffentlicher Sektor bei Wikimedia Deutschland
Hinzu kommen die bekannten Probleme von KI-Anwendungen: Sie
erfinden Quellen oder geben falsche Antworten. Oder sie geben eine
Quelle an, die den Inhalt gar nicht belegt. Laut einer Studie der
Europäischen Rundfunkunion sind je nach Thema 15-40% der Antworten oder Quellen
falsch. Generative KI scheint allwissend. Dabei erzeugen
ChatBots lediglich plausibel klingende Texte nach
Wahrscheinlichkeitsprinzip. Nur bei etwa 22% der Anfragen
startet z.B. ChatGPT eine Websuche.
Wer Suchmaschinen nutzt, ist klar im Vorteil. Denn dort können
wir selber entscheiden, welche Quellen wir lesen. Es ist möglich,
verschiedene Sichtweisen zu vergleichen, das Veröffentlichungsdatum
zu prüfen und zu zu erkennen, wer hinter einer Information steht.
Für alle, die aufgrund der KI-Pläne von Google, der Monopolstellung
oder aufgrund der Datensammelei des Konzerns andere Suchmaschinen
nutzen möchten, gibt es tolle Alternativen.
Welche Alternativen zu Google
gibt es?
Startpage
Startpage nutzt Google-Ergebnisse,
erfasst aber laut eigenen Angaben keine IP-Adressen und nutzt keine
Cookies zur Identifizierung der Nutzer. Daten werden nicht
gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben. Das heißt auch:
Keine personalisierte Werbung. Die Anzeigen in Startpage basieren
nur auf der aktuellen Suchanfrage.
Ein kostenloser Proxy-Service ermöglicht außerdem ein anonymes
Surfen im Internet. Die Stiftung Warentest erklärte Startpage 2019
auch im Vergleich mit Google zum
Testsieger. Das Hosting für europäische Nutzer*innen erfolgt in
den Niederlanden.
DuckDuckGo
DuckDuckGo präsentiert
Suchergebnisse aus verschiedenen Quellen: Yahoo!, Search BOSS und
der eigene Webcrawler DuckDuck Bot. Dabei
speichert es Suchanfragen nicht und erstellt kein Nutzendenprofil.
Die Suchmaschine finanziert sich ebenfalls über Anzeigen, diese
basieren jedoch auf der aktuellen Suchanfrage und nicht auf einem
langfristigen persönlichen Profil.
Vor einigen Jahren hat DuckDuckGo Browser-Erweiterungen für Chrome, Safari und
Firefox und Apps entwickelt. Sie sollen Google- oder
Facebook-Tracker und andere Tracking-Dienste blockieren.
Mit Search Assist bietet DuckDuck auch einen KI-Modus an, den
kann man aber einfach und dauerhaft ausschalten. Wer die
„!Bang“-Syntax nutzt und zum Beispiel „!Wikipedia“ mit dem
Suchbegriff eingibt, erhält Antworten nur aus Wikipedia.
Qwant
Qwant ist eine französische
Suchmaschine, die in Europa gehostet wird. Die deutschsprachige
Version gibt es seit 2014. Schon im selben Jahr konnte sie bei
einem FAZ-Vergleich der Suchergebnisse
mit Google und DuckDuckGo mithalten. Um unabhängiger von Google und
Bing zu werden, hat Qwant gemeinsam mit Ecosia einen eigenen Suchindex gegründet – Staan.
Auch in Sachen Datenschutz steht Qwant gut da. Das Unternehmen gibt
an, keine persönlichen Daten zu sammeln, Cookies nur für die jeweilige Sitzung zu setzen und
Informationen zum Nutzerverhalten nicht dauerhaft zu speichern.
Daher gibt es mit Qwant auch keine personalisierten Suchergebnisse,
sondern die sind für alle Nutzenden gleich.
Bei den Suchen sendet Qwant an Microsoft Bing Ads beschränkte
Nutzenden-Informationen, wie zum Beispiel die ersten drei Byte der
IP, den User-Agent des Browsers und den
Zeitpunkt. Um die Nutzenden zu zählen, speichert Qwant ein Cookie
mit einer zufälligen Besucher-ID für 13 Monate.
Escosia
Ecosia stammt aus Deutschland und nutzt
Ergebnisse von Google und Bing, ist also eine Proxy-Suchmaschine.
Ecosia finanziert sich über Werbeeinnahmen und Überschüsse fließen
in die Finanzierung von Umweltprojekten. Die Anzeigen, die man bei
Ecosia sieht, stammen von Microsoft. Sie passen zum Suchverhalten,
aber das Klickverhalten wird nicht mit einem Nutzendenprofil
verknüpft.
Ecosia betreibt kein dauerhaftes Nutzerprofiling wie Google. Für
die Suche verarbeitet Ecosia Suchbegriffe, IP-Adresse und einige
technische Angaben. Die IP-Adresse wird bei Ecosia spätestens nach
sieben Tagen anonymisiert. Allerdings gibt es einen Unterschied
zwischen Ecosia und seinen Such- und Werbepartnern wie Bing und
Google. Daher wurde Ecosia von Stiftung Warentest in der Kategorie
Datensendeverhalten als kritisch bewertet.
Freie
Software: Browsen ohne Beobachter – So geht Surfen mit
Privatsphäre
Wir
verbringen jeden Tag Stunden im Internet, doch die meisten von uns
hinterfragen nie, wie wir auf das Web zugreifen. Der Browser –
dieses unscheinbare Tool zwischen uns und der weiten Webwelt –
spielt eine viel größere Rolle, als manche von uns denken mögen.
Denn: Jede Suche, jeder Klick und jede Anmeldung verrät etwas über
uns. Haben wir noch die Kontrolle über diese teils sehr
persönlichen Daten? Wir haben mit Andrew McAllister von Wikimedia
Deutschland über Datenschutz, die Macht von Google und die
Bedeutung der Wahl des richtigen Browsers gesprochen.
So stellen Sie eine andere
Suchmaschine ein
Das Tolle ist: Der Wechsel von Google zu einer anderen
Standardsuchmaschine ist nur wenige Klicks entfernt. Dafür müssen
Sie lediglich die Einstellungen Ihres Browsers öffnen und zu den
Systemeinstellungen wechseln. Je nach Browser findet sich dort eine
Option wie „Suchmaschine“ oder „Suche“. Nach zwei bis drei Klicks
lässt sich die bevorzugte Suchmaschine festlegen. Dem neugierigen
Surfen sind damit keine Grenzen gesetzt.
Auf dem diesjährigen gamescom-Kongress in Köln sprach
Alan Ang, Senior Partner Manager bei Wikimedia Deutschland, über
Videospiele als Kulturerbe – und darüber, wie wichtig es ist, das
komplexe Wissen rund um diese Spiele zu bewahren. In seinem Vortrag
hob er hervor, wie Wikimedia-Software wie Wikibase dabei helfen kann, Informationen über Spiele,
ihre Entwickler, Plattformen, Communitys und vieles mehr zu
verknüpfen und zu bewahren. Das Gaming ist ein besonders
anschauliches Beispiel für einen viel umfassenderen Gedanken:
Wissen ist wertvoller, wenn Menschen frei darauf zugreifen, dazu
beitragen und darauf aufbauen können.
Hier kommt auch die Wikimedia-Software MediaWiki ins Spiel. Die Open-Source-Technologie
hinter Wikipedia bildet die Grundlage für tausende
gemeinschaftlicher Wissensprojekte – darunter ein wachsendes
Ökosystem von Videospiel-Wikis. Dank ihres freien und offenen
Charakters können Communitys ihre eigenen Wissensplattformen
aufbauen, die Software an ihre Bedürfnisse anpassen und die
Kontrolle über die von ihnen erstellten Informationen behalten.
Jonathan
Lee, Mitbegründer und Geschäftsführer von Weird Gloop
Eine Organisation, die dies schon lange in die Praxis umsetzt,
ist Weird Gloop, ein Wiki-Host, der von Mitgliedern der
RuneScape-Wiki-Community gegründet wurde. Heute unterstützt Weird
Gloop unabhängige und offizielle Wikis für einige der weltweit
größten Spiele. Wir sprachen mit Mitbegründer und Geschäftsführer
Jonathan Lee darüber, warum Gaming-Communitys auf Wikis setzen, was
MediaWiki zu einem so leistungsstarken Werkzeug macht und wie es zu
dem Namen Weird Gloop (deutsch: Seltsame Pampe) kam.
Hallo Jonathan, was machst du
bei Weird Gloop?
Ich bin Mitbegründer und Leiter von Weird Gloop. Seit etwa 17
Jahren faszinieren mich Wikis, insbesondere Videospiel-Wikis. Heute
liegt mein Schwerpunkt darauf, Videospiel-Wiki-Communitys dabei zu
unterstützen, ihre Wikis so nützlich und so gut wie möglich zu
gestalten.
Für alle, die sich mit
Gaming-Wikis vielleicht noch nicht so gut auskennen: Warum sind sie
wichtig?
Videospiele enthalten oft Informationen, die im Spiel selbst
nicht erklärt werden. Das ist schon so, seit es Videospiele gibt.
In den 1990er Jahren hat man sich vielleicht einen Strategie-Guide
gekauft oder einfach einen Freund gefragt, wie man etwas im Spiel
freischalten kann. Mit der Zeit wurde das Internet zum Ort, an dem
Gamer*innen dieses Wissen austauschten, und Wikis entwickelten sich
zu einer der besten Möglichkeiten, es zu organisieren.Nehmen wir
zum Beispiel Minecraft. Ein großer Teil des
Spiels dreht sich um das Herstellen von Gegenständen, doch
ursprünglich erklärte das Spiel nicht jedes Rezept oder jede
Spielmechanik besonders gut. Die Gamer*innen fanden diese Dinge
selbst heraus, entdeckten, wie das Spiel funktionierte, und
schrieben dieses Wissen auf, damit andere davon profitieren
konnten.
Für Spiele wie Minecraft oder RuneScape sind Wikis zu einem wesentlichen Bestandteil
des Spielerlebnisses geworden. Sie enthalten alles von
grundlegenden Informationen über Datenobjekte und Charaktere bis
hin zu detaillierten Strategien für ein effizientes Spiel. In
manchen Fällen ist das Wiki für die Gamer*innen fast genauso
wichtig wie das Spiel selbst.
Wie groß ist das Ökosystem der
von Communitys betriebenen Videospiel-Wikis heute?
Es ist extrem groß und überraschend komplex, obwohl die
verschiedenen Communitys nur lose miteinander verbunden sind.
Insgesamt verzeichnen Videospiel-Wikis jeden Monat Milliarden von
Seitenaufrufen – was in etwa dem Umfang der englischen Wikipedia
entspricht.
Die dort gepflegten Informationen reichen von grundlegenden
Spieldaten, wie beispielsweise allen Datenobjekten in einem Spiel
und wie man sie erhält, bis hin zu detaillierten Strategien und
Erklärungen der Spielmechaniken. MediaWiki eignet sich hierfür
besonders gut, da es flexibel genug ist, all diese
unterschiedlichen Arten von Wissen zu integrieren.
Wenn Videospiel-Wikis plötzlich verschwinden würden, gäbe es
meiner Meinung nach einen erheblichen Rückgang der Zahl der
Spieler*innen – sie haben sich sehr daran gewöhnt, dass diese
Informationen in einer übersichtlichen, von der Community
gepflegten Form zur Verfügung stehen.
Was ist „Weird Gloop“ und wie
ist es entstanden?
Weird Gloop begann mit dem RuneScape-Wiki. Ich war seit 2009 an
dem Wiki beteiligt, als es noch auf Wikia (heute: Fandom) gehostet
wurde, und 2018 hatten wir die Möglichkeit, es mit etwas
Unterstützung des Spieleentwicklers auf ein unabhängiges Hosting
umzuziehen.
Wir wollten eine Lösung ohne Werbung und vor allem mit voller
Kontrolle über die Technik und das Wiki selbst. Mit der Zeit wurde
uns klar, dass wir das Gelernte auch nutzen konnten, um anderen
großartigen Wiki-Communitys zu helfen, unabhängig zu werden.Heute
ist Weird Gloop ein Wiki-Host für unabhängige und offizielle
Videospiel-Wikis. Ich stelle uns als eine Art Reiseadapter zwischen
den Wiki-Communitys und all den weniger spannenden Aspekten des
Betriebs eines unabhängigen Wikis vor – der Zusammenarbeit mit
Spielestudios, der technischen Infrastruktur und all den
unternehmerischen Belangen –, damit sich die Communitys auf das
konzentrieren können, was sie wirklich gut können: die Spiele zu
dokumentieren, die sie lieben.
RuneScape Wiki von Weird Gloop, Screenshot
vom 28. August
Und was bedeutet eigentlich der
Name „Weird Gloop“?
Der Name stammt aus dem RuneScape-Wiki selbst. RuneScape hat
Zehntausende von Datenobjekten, und wir waren geradezu besessen
davon, jeden einzelnen davon zu dokumentieren. Als ich etwa 15 war,
fand ich heraus, wie man einen obskuren Gegenstand namens „Weird
Gloop“ erhält, der seit Jahren im Spiel versteckt war. Ich fand es
unglaublich cool, dass etwas, das Millionen von Menschen gespielt
hatten, immer noch Dinge enthalten konnte, die noch niemand
entdeckt hatte. „Weird Gloop“ wurde zu einem Insider-Witz in
unserer Community, und als wir einen Namen für das Unternehmen
brauchten, war es die naheliegende Wahl. Es fühlte sich wie der
perfekte Name für eine Organisation an, die sich um Menschen dreht,
denen die ganz kleinen Details am Herzen liegen.
Warum wollten Communitys wie das
Minecraft-Wiki große Wiki-Hosting-Plattformen verlassen und
unabhängig werden?
Ein offensichtlicher Grund ist die Werbung. Wenn das Ziel einer
Plattform darin besteht, die Erträge aus Werbung zu maximieren,
trifft sie möglicherweise Entscheidungen, die zwar gut für die
Plattform, aber schlecht für die Wiki-Community oder ihre
Leser*innen sind. Zu viele Anzeigen können dazu führen, dass
Leser*innen das gesamte Erlebnis als unangenehm empfinden – und das
kann auch dazu führen, dass sie weniger bereit sind, selbst
Beiträge zu verfassen.
Das ist wichtig, denn Wikis funktionieren gerade deshalb, weil
Leser*innen zu Beitragenden werden können. Jemand findet
Informationen, liest sie, bemerkt, dass etwas fehlt oder falsch
ist, und ergänzt sie. Wenn man das Leseerlebnis frustrierend
gestaltet, erschwert man auch den Aufbau dieser Community.
Im Laufe der Zeit kamen Communitys wie die rund um Minecraft
oder League of Legends zu demselben
Schluss: Sie wollten mehr Kontrolle über ihre Wikis, doch der
Ausstieg aus einer etablierten Plattform ist schwierig. Hier kommt
Weird Gloop ins Spiel.
Minecraft Wiki von Weird Gloop, Screenshot
vom 28. August
Wie viele Wikis hostet Weird
Gloop derzeit, und wie arbeitet ihr mit deren Communitys
zusammen?
Derzeit hosten wir 17 Wikis, hauptsächlich für sehr große Spiele
wie RuneScape, Minecraft, Subnautica oder Overwatch. Wir stellen die technische Infrastruktur
bereit und kümmern uns um Dinge wie die Migration von Wikis von
bestehenden Plattformen, die Wartung der Server und die Behebung
technischer Probleme. Dabei ergeben sich erhebliche
Skalierungseffekte: Sobald man die Tools und die Infrastruktur für
das Hosting eines großen Wikis aufgebaut hat, wird das Hosting des
nächsten wesentlich einfacher.
Unsere Beziehung zu den Communitys ist sehr kooperativ. Wir
haben zwar vielleicht Vorstellungen davon, wie ein Wiki gut
funktionieren sollte, aber wir schreiben den Communitys nicht vor,
was sie zu tun haben. Das Spiel und seine Inhalte gehören ihnen.
Wir stellen die Infrastruktur und den Support bereit und halten uns
ansonsten im Hintergrund.
Was macht MediaWiki zu einer so
guten Wahl für Videospiel-Communitys?
Das Wichtigste ist, wie einfach es für jemanden ist, einen
kleinen Beitrag zu leisten. Die meisten Menschen, die schließlich
zu aktiven Beitragenden an einem Wiki werden, hatten zu Beginn
nicht vor, jahrelang an einem Wiki zu arbeiten. Sie haben einen
Tippfehler entdeckt, auf „Bearbeiten“ geklickt, ihn korrigiert und
festgestellt: „Das hat irgendwie Spaß gemacht.“ Dann haben sie es
erneut gemacht.
MediaWiki ist besonders gut darin, die Hürden für solche ersten
Beiträge abzubauen. Es bietet einen einfachen Weg vom Lesenden zur
Autor*in, und genau das ist es letztendlich, was Wikis
funktionieren lässt.
Außerdem ist es eine sehr flexible Art, Informationen zu
organisieren. Für mich ist jedoch nicht nur entscheidend, wie
MediaWiki den Lesenden Informationen präsentiert, sondern vor
allem, wie gut es den Menschen ermöglicht, zu diesen Informationen
beizutragen.
Wie wichtig ist die Tatsache,
dass MediaWiki kostenlos und Open Source ist?
Die Tatsache, dass es kostenlos ist, ist unglaublich wichtig.
Viele Menschen, die Videospiel-Wikis ins Leben rufen, sind keine
Profis. Es handelt sich vielleicht um Teenager, die einfach ein
bestimmtes Spiel lieben und darüber berichten möchten. Müssten sie
eine Softwarelizenz kaufen oder ihre eigene Plattform aufbauen,
gäbe es viele dieser Wikis gar nicht erst.
Open Source ist ebenso wichtig, weil es MediaWiki
anpassungsfähig macht. Videospiel-Wikis enthalten eine riesige
Menge an strukturierten Informationen, und die Basissoftware ist
nicht unbedingt darauf ausgelegt, jeden möglichen Anwendungsfall
abzudecken. Aber da es sich um Open Source handelt, können
Nutzer*innen Erweiterungen entwickeln und die Software anpassen, um
diese Probleme zu lösen.
Wir haben selbst eine Erweiterung für strukturierte Daten
entwickelt, weil wir sie für die von uns gehosteten Wikis
benötigten. Diese Art von Experimenten wäre in einem geschlossenen
System schlichtweg nicht möglich.
Was braucht es, um ein Wiki
aufzubauen und zu pflegen, das so groß und komplex ist wie die
Wikis zu Minecraft, League of Legends oder RuneScape?
Letztendlich kommt es darauf an, eine wirklich gute Community
aufzubauen. Oft wird gefragt, was ein riesiges Wiki davor bewahrt,
mutwillig beschädigt oder zerstört zu werden, wobei viele eine
technische Antwort erwarten. Natürlich gibt es technische
Hilfsmittel, aber die eigentliche Antwort lautet: Es gibt viele
Menschen, denen das Projekt am Herzen liegt und die sich dafür
einsetzen, dass es gut läuft.
Man muss gemeinsame Regeln und kulturelle Normen entwickeln,
festlegen, wie Streitigkeiten beigelegt werden, entscheiden, wie
Richtlinien erstellt und geändert werden, und sicherstellen, dass
die Menschen an den richtigen Prioritäten arbeiten. All das ist
genauso wichtig wie die Technologie. Die Menschen sind es, die das
Wiki zum Laufen bringen. Die Technologie unterstützt sie dabei.
Es gibt auffällige Parallelen
zwischen Gaming-Wiki-Communitys und der Wikimedia-Bewegung. Was
könnten diese Communitys voneinander lernen?
Es ist unglaublich wichtig zu verstehen, was Menschen dazu
bewegt, zusammenzuarbeiten, einen Beitrag zu leisten und gemeinsam
etwas aufzubauen. Wikimedia arbeitet in einem viel größeren Rahmen
als wir, aber wir alle beschäftigen uns mit derselben grundlegenden
Frage: Was motiviert Menschen dazu, ihre Zeit und ihr Wissen
einzubringen?
Videospiel-Wikis bieten uns die Möglichkeit, schnell zu
experimentieren. Wir können verschiedene Ansätze in
unterschiedlichen Communitys ausprobieren und sehen, was
funktioniert. Ich denke, die Gaming-Wiki-Community und die breitere
Wikimedia-Bewegung könnten viel voneinander lernen, wenn es darum
geht, wie kollaborative Wissensprojekte tatsächlich
funktionieren.
Und schließlich: Wenn jemand
Videospiele spielt und auf einer Wiki-Seite einen Fehler entdeckt,
wie kann er dann einen Beitrag leisten?
Mein Rat ist einfach: Leg los! Je nach Wiki benötigst du
möglicherweise ein Konto, aber du kannst nichts dauerhaft
kaputtmachen. Jede Überarbeitung einer Seite wird gespeichert, wenn
du also einen Fehler machst, kann jemand anderes ihn rückgängig
machen.
Ich glaube, die Angst, etwas zu vermasseln, ist einer der
Hauptgründe, warum sich viele Menschen nicht trauen, beizutragen.
Die meisten, die anfangen, Wikis zu bearbeiten, machen anfangs
Fehler. Das ist völlig in Ordnung. Du trägst trotzdem dazu bei, das
gesamte Projekt ein kleines Stückchen in eine bessere Richtung zu
bewegen – und genau so wachsen Wikis.
Im polnischen Zabrze fand 2025 ein Edit-a-thon im Guido-Bergwerk
statt – 320 Meter unter Tage. In den Räumen einer ehemaligen
Kohlemine schrieben und verbesserten 84 Wikipedianer*innen
gemeinsam Artikel über das Erbe Schlesiens. Und das gleich in vier
Sprachen: Polnisch, Schlesisch, Tschechisch und Deutsch. Das
Guido-Bergwerk sei ein Juwel des industriellen Erbes der Region,
heißt es von den Organisator*innen von Wikimedia Polska. Ziel des
Edit-a-thons war, das Wissen über das Erbe der Woiwodschaft
Schlesien in Wikipedia zu erweitern: „Wikipedianerinnen und
Wikipedianer dokumentieren das, was sonst oft übersehen wird –
lokale Persönlichkeiten, alte Traditionen, verschwindende
Ortsnamen. Dank ihnen wird das Wissen über die Region Teil des
globalen Informationsflusses.“
Weit nach oben ging es für Wikipedia 2017, als der italienische
ESA-Astronaut Paolo Nespoli, während er an Bord der Internationalen
Raumstation die Erde umkreiste, eine Sprachnachricht für die
Wikipedia aufnahm – der erste Beitrag für die Wikipedia aus dem
Weltraum! Gar nicht so einfach bei einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von 27.724 km/h! Ihm gelang es, gemeinsam mit
seinen ESA-Kollegen die Aufnahme zu planen und die Dateien zur Erde
zu übertragen (eine auf Englisch, die andere in seiner
Muttersprache Italienisch). Zurück auf der Erde hat er sie auf
Wikimedia Commons hochgeladen, wo sie unter einer offenen Lizenz
frei verfügbar sind.
Die erste Bearbeitung der Wikipedia
aus dem Weltraum erfolgte 2019 von der ASA-Astronautin Christina Koch von der
Internationalen Raumstation ISS aus. Der Edit entstand während
einer 328 Tage langen Mission. Dies war der bis dato längste
ununterbrochene Weltraumflug einer Frau. Der Edit beinhaltete eine
Beschreibung ihres eigenen Weltraumspaziergangs.
2024 organisierte der italienische Wikipedianer Francisco Ardini
den ersten Wikipedia-Edit-a-thon aus der Antarktis. Auf dem
Forschungseisbrecher RV Laura Bassi arbeiteten sechs
Forschende an Artikeln über die Antarktis und den Klimawandel. Das
Internet an Bord war allerdings begrenzt. Deshalb wurde teilweise
offline gearbeitet und später veröffentlicht. Das Ergebnis: Mehr
als 150 neue oder verbesserte Artikel in der italienischen
Wikipedia.
Wikipedia-Arbeit kann auch mitten im öffentlichen Leben
stattfinden – und genau dort Wissen über lokale Geschichte und
Kultur sichtbar machen, Neugierige anziehen und über die Mitarbeit
in der Wikipedia aufklären! So fand 2023 ein Edit-a-thon auf dem
Platz vor dem Tien-Long-Tempel im Bezirk Xuejia in Tainan statt –
und ist auf Wikimedia Commons mit zahlreichen Fotos
dokumentiert.
Auch die Wüste ist Teil der Wikimedia-Welt. So organisierten
Ehrenamtliche aus der algerischen Wiki-Community bereits
Wikipedia-Workshops in einem Flüchtlingscamp in der Povinz
Tindouf.
Außerdem gibt es auf Wikimedia Commons zahlreiche Fotos aus der
Sahara, die von Reisenden und Fotograf*innen hochgeladen wurden.
Darunter etwa ein Foto eines Tuareg auf einer Düne in Algerien.
Denn auch Bilder, die auf Reisen entstehen, können später
Wikipedia-Artikel illustrieren.
Fotos und Reisetipps lassen sich übrigens auch prima in Wikivoyage, dem offenen Reiseführer, einbinden.
Manche Orte sind weniger idyllisch. 2007 sorgte der sogenannte
Wikipedia Scanner für Schlagzeilen: Das Tool konnte anonyme
Wikipedia-Edits anhand ihrer IP-Adressen bestimmten Organisationen
zuordnen. Dabei wurden auch Bearbeitungen gefunden, die von
Computern aus CIA- und FBI-Netzwerken stammten. Die Entdeckung
löste eine breite Debatte über Interessenkonflikte beim Bearbeiten
von Wikipedia aus.
Es geht auch anders: Beim Projekt „Wiki Loves Parliaments“
machen Ehrenamtliche Informationen und Bilder zu politischen
Akteur*innen frei zugänglich. Seit 2009 besuchen sie deutsche und
österreichische Landtage, den Bundestag und sogar das Europäische
Parlament in Straßburg, um Fotos von Abgeordneten für Wikimedia
Commons zu erstellen und Wikipedia-Artikel zu verbessern. Insgesamt
sind so schon 25.022 Fotos entstanden, von denen 6.170 insgesamt
29.701 Mal in den Wikimedia-Projekten genutzt wurden.
Freskenzyklen, Dachterasse, Bibliotheka Hertziana! Wer bekommt
keine Lust, in einer solchen Umgebung Wikipedia-Artikel über Kunst
und Kultur zu schreiben? Im April diesen Jahres trafen sich zwölf
Wikipedianer*innen in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo mit
Kunsthistoriker*innen, um an Themen rund um Kunstgeschichte in
Wikipedia, Wikidata und Wikimedia Commons zu arbeiten.
Übrigens müssen Wikipedianer*innen nicht bis nach Rom reisen, um
Museumsluft zu schnuppern: Mit den Formaten GLAM on Tour, GLAM
digital und der wikipedianischen KulTour arbeiten
Museumsmitarbeitende auch auf lokaler Ebene seit vielen Jahren
erfolgreich mit Wikipedianer*innen zusammen, unter anderem im
Museum Barberini in Potsdam.
Wikipedianer*innen lieben Filme! Und deswegen verpassen sie
keine Gelegenheit, Wikipedia-Artikel zu den neuesten Filmen und
Filmemacher*innen zu schreiben. Seit einigen Jahren organisiert die
Community zur Berlinale ein Foto-Projekt und einen Edit-a-thon in
Berlin. So sind schon tausende Fotos von Stars und Sternchen vom
roten Teppich entstanden und jährlich um die 60 neue Artikel zu
dort gezeigten Filmen. Kein Wunder, dass Wikipedia-Artikel zu
Filmen und Schauspieler*innen immer zu den
meist aufgerufenen gehören.
Der vielleicht ungewöhnlichste unter den hier aufgelisteten
Orten: ein historisches Toilettenhäuschen in Bochum. Dieses dient
der Wikipedia-Community aus dem Ruhrgebiet seit diesem Jahr als
Treffpunkt zum gemeinsamen Editieren. Es befindet sich am Stadtpark
im denkmalgeschützten Haus des Bochumer Geschichtsvereins. Das
unter Denkmalschutz stehende Häuschen wurde 1997 renoviert. Sehr
praktisch für die Wikipedianer*innen: Im Haus befindet sich auch
die Bibliothek des Heimatvereins mit über 1.500 Bänden.
Der wichtigste Ort zum Editieren
der Wikipedia ist überall
Was all diese Beispiele verbindet? Menschen schreiben,
verbessern oder dokumentieren Artikel dort, wo sie gerade sind. Und
manchmal entsteht das Wissen sogar aus dem Ort heraus: Wer etwas
selbst gesehen, erforscht oder erlebt hat, kann es dokumentieren
und mit anderen teilen. Der nächste ungewöhnliche
Wikipedia-Arbeitsplatz könnte also überall sein. Vielleicht sogar
bei dir.
Webinar
Wikipedia? Kannst du auch!
Wikipedia
kennenlernen und erste Schritte selbst ausprobieren: Diese kompakte
Online-Einführung vermittelt verständlich die Grundlagen.
Welchen Beitrag die „Wiki
Loves“-Wettbewerbe für das Freie Wissen leisten
Jahr für Jahr beteiligen sich Menschen auf der ganzen Welt an
den „Wiki Loves“-Fotowettbewerben. Ob beeindruckende Architektur,
schützenswerte Naturräume oder gelebte Traditionen – die
eingereichten Aufnahmen dokumentieren die Vielfalt unseres
kulturellen und Naturerbes. Das Engagement der Teilnehmenden
leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Vermittlung
von Wissen.
Die einzelnen Wettbewerbe setzen dabei unterschiedliche
Schwerpunkte:
Wiki Loves Earth widmet sich den
Naturlandschaften und Schutzgebieten,
Wiki Loves Folklore rückt
wiederum Bräuche, Feste und kulturelle Traditionen ins Bild.
Alle Fotos werden unter einer freien Lizenz auf Wikimedia
Commons veröffentlicht und finden ihren Weg in zahlreiche
Wikipedia-Artikel und weitere Wikimedia-Projekte.
Wiki Loves Monuments
Wiki Loves Monuments (WLM) ist der größte und
älteste Fotowettbewerb der Wiki-Community. Im Mittelpunkt stehen
Fotos von Kultur- und Baudenkmälern – von Schlössern über Kirchen
bis hin zu Brücken und Monumenten. Allein im vergangenen Jahr haben
sich 57 Länder mit über 230.000 Fotos unter freier Lizenz an dem
Wettbewerb beteiligt.
Die aktuelle Ausgabe ist am 1. September 2026 gestartet. Neben
dem regulären Wettbewerb wird in diesem Jahr der Sonderpreis
„Gastronomie und Essen“ für die drei besten Fotos von
Kulturdenkmalen, die Gastronomiegebäude zeigen, verliehen. Außerdem
gibt es einen weiteren Sonderpreis für Scans alter Aufnahmen.
Alle Details zum Mitmachen und den Wettbewerbsregeln gibt es hier.
Wiki Loves Earth
Wiki Loves Earth (WLE) ist ein weltweit
ausgerichteter Fotowettbewerb, der den Fokus auf den Erhalt und die
visuelle Erfassung des Natur- und Landschaftserbes legt. Ziel des
Wettbewerbs ist es, das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung
von Schutzgebieten und Naturdenkmälern zu stärken und gleichzeitig
die frei zugängliche, umfassende Bildsammlung auf Wikimedia Commons
zu erweitern.
Die Gewinnerbilder aus
Deutschland
Für den deutschen Wiki Loves Earth
Wettbewerb wurden in diesem Jahr über 10.000 Fotos hochgeladen,
aufgeteilt in die zwei Wettbewerbskategorien „Landschaftsaufnahmen“
und „Detailaufnahmen“. Zusätzlich wird jährlich einen Sonderpreis
vergeben. Im Jahr 2026 wurde dieser an drei Fotos zum Thema
Stadtnatur verliehen.
3. Platz
| Das NABU-Haus in den Salzwiesen im Naturschutzgebiet Hamburger
Hallig im Kreis Nordfriesland, fotografiert von Matthias
Süßen.
Sonderpreis
Stadtnatur
Natur findet sich nicht nur in der freien Landschaft, auch in
dicht besiedelten Städten leben unzählige Pflanzen und Tiere. Genau
diese Interaktion zwischen Mensch und Natur soll der Sonderpreis
2026 dokumentieren.
Aus diesem Grund galt die Beschränkung auf Motive in
Schutzgebieten für die teilnehmenden Fotos ausnahmsweise nicht.
Sonderpreis | Die Günther-Klotz-Anlage mit dem „Mount Klotz“ in
Karlsruhe, fotografiert von Achim Lammerts
Wiki Loves Folklore
Bei Wiki Loves Folklore (WLF) handelt es sich um den
jüngsten der drei großen Fotowettbewerbe. Seit 2018 findet er
jährlich vom 1. Februar bis 31. März statt und fast 10.000
Ehrenamtliche aus knapp 200 Ländern haben im Laufe der Jahre
teilgenommen und rund 208.000 Bilder und Videos beigesteuert. Im
Fokus stehen hier lebende und gelebte Traditionen der
Teilnehmerländer, also Feste, Tänze, Bräuche, Küche, Trachten,
Märchen und vieles mehr.
Die internationalen
Gewinnerbilder
In diesem Jahr geben die internationalen Gewinnerbilder
besondere Einblicke in die Kultur Asiens.
1. Platz
| Ein Bauer läuft während des traditionellen Wasserfeldrennens
„Kaalapoottu“ neben seinen Büffeln her; fotografiert von Jeshon
Jenish in Indien.
2. Platz
| Eine Frau in farbenfroher Tracht stapelt in einer Werkstatt
sorgfältig handgefertigte Töpferwaren; fotografiert von Mahinur11
in Bangladesh.
3. Platz
| Das Dinagyang-Festival 2026 erweckt die Geschichte und Folklore
von Iloilo zum Leben, während die Stämme das Volk der Ati mit
lebhaften Tänzen, farbenprächtigen Gewändern und rhythmischen
Trommeln ehren, binden sie Geschichten über Glauben, Tradition und
den Stolz auf die Vorfahren in jede Straßenvorführung ein;
fotografiert von Herbertkikoy auf den Philippinen
Die Gewinnerbilder aus
Deutschland
Aus Deutschland wurden in diesem Jahr insgesamt rund 3800 Fotos
beigesteuert. Hier sind die drei Gewinnerbilder von Wiki Loves Folklore
Deutschland.
Platz 3:
Umzug der Kinder bei der Kinderzeche in Dinkelsbühl im Landkreis
Ansbach, fotografiert von Ursula Jaeger (Würmchen).
Die Gewinnerbilder von von Wiki Loves Monuments
Deutschland werden im Oktober veröffentlicht.
Die internationalen Gewinnerbilder werden im
Dezember (Wiki Loves Earth) und im April des Folgejahres (Wiki
Loves Monuments) veröffentlicht.
Das Picture of the Year
2025
Mit dem Wettbewerb „Picture of the Year“ werden seit inzwischen
zwanzig Jahren außergewöhnliche Fotografien auf Wikimedia Commons
ausgezeichnet. Die jährliche Auswahl würdigt Bilder, die durch ihre
Qualität, Aussagekraft und ihren besonderen Beitrag zu den
Wikimedia-Projekten hervorstechen.
Der Wettbewerb findet in zwei Abstimmungsrunden statt: In der
ersten Runde können Teilnehmende beliebig viele Bilder auswählen.
In der anschließenden Finalrunde ist die Abstimmung auf bis zu fünf
Favoriten begrenzt, wobei jede Stimme gleich gewichtet wird.
Stimmberechtigt sind registrierte Wikimedia Commons-Beitragende,
die vor dem 1. Januar 2026 angemeldet waren und mindestens 75
Bearbeitungen in Wikimedia-Projekten vorweisen können.
Games sind längst mehr als Unterhaltung: Sie prägen Kulturen,
führen so Communitys und beeinflussen zunehmend, wie wir lernen,
arbeiten und miteinander interagieren. Trotzdem ist das Wissen über
viele Spiele erstaunlich vergänglich. Server werden abgeschaltet,
Unternehmen verschwinden und ganze Spielekataloge können aus dem
öffentlichen Gedächtnis verschwinden.
Wie können wir Games als Teil unseres kulturellen Erbes bewahren
– und was können wir aus ihrer wachsenden Bedeutung für unsere
Gesellschaft lernen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Alan Ang,
Senior Partner Manager bei Wikimedia Deutschland, in seinem Vortrag
„Playable Pasts, Gamified Futures: Preserving Games and
Understanding Their Impact on Society“ in diesem Jahr erstmals
beim gamescom congress in Köln.
Der gamescom congress ist ein Side Event der gamescom, dem
größten Games-Event der Welt. Der congress bringt ein
interdisziplinäres Fachpublikum aus der Games-Branche, Wirtschaft,
Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Im
Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Technologien und Prinzipien
aus der Games-Welt Innovationen in ganz unterschiedlichen
gesellschaftlichen Bereichen voranbringen können.
Games als kulturelles
Erbe
In seinem Vortrag verbindet Alan Ang zwei Perspektiven: Wie
können wir Games als Teil unseres kulturellen Erbes bewahren – und
wie können wir besser verstehen, welchen Einfluss sie auf unsere
Gesellschaft haben?
Um Spiele langfristig zu bewahren, reicht es nicht, einzelne
Titel zu archivieren. Auch Entwickler*innen, Publisher,
Plattformen, Technologien und die Beziehungen zwischen ihnen
erzählen etwas über die Geschichte der Games. Offene
Wissensstrukturen wie Wikidata und Wikibase können dabei helfen,
dieses komplexe Ökosystem zu dokumentieren, miteinander zu
verknüpfen und langfristig zugänglich zu machen.
Denn Freies Wissen bedeutet nicht nur, Informationen zugänglich
zu machen, sondern auch, Wissen dauerhaft zu erhalten und
Zusammenhänge sichtbar zu machen. Gerade bei Games ist das
relevant, weil ihre Geschichte aus sehr vielen miteinander
verbundenen Bestandteilen besteht – von einzelnen Titeln und ihren
Entwickler*innen über Technologien und Plattformen bis hin zu den
Communitys, die sie über Jahre hinweg geprägt haben und mit
weiterentwickeln.
Games sind nicht nur Unterhaltung – sie sind ein Teil unseres
kulturellen Gedächtnisses. Wenn wir sie bewahren wollen, müssen wir
auch die Zusammenhänge und das Wissen rund um sie
dokumentieren.
Alan Ang
Senior Partner Manager bei Wikimedia
Deutschland
Was Games mit unserer
Gesellschaft machen
Games prägen längst nicht mehr nur unsere Freizeit.
Spielprinzipien wie Feedback, Belohnung und spielerische
Beteiligung finden zunehmend in Bildung, Arbeit und digitalen
Services Anwendung. Alan Ang wirft einen Blick auf die Chancen und
Risiken dieser Entwicklung – und darauf, welche Rolle offene
Wissensdatenbanken dabei spielen können.
Wir freuen uns sehr, am 27. August erstmals beim gamescom
congress dabei zu sein und mit diesem für uns wichtigen Thema den
Blick darauf zu richten, wie wir Games bewahren und zugleich besser
verstehen können.
Wikitainment: Wissen, das Spaß
macht
Wikipedia steckt voller Wissen, das richtig Spaß machen kann!
Aus freiem Wissen und offenen Daten entstehen immer wieder
spannende Spiele und Tools. In unserer Reihe „Wikitainment” stellen
wir solche Spiele vor.
Wiki-Spiele: Von Chuck Norris zur Philosophie in wie vielen
Klicks?
Ratespaß mit Redactle: Welcher Wikipedia-Artikel ist das?
GLAMorous Europe: Das Tinder für Kunst-Fans
WikiAsteroids: Wikipedia wird zum Arcade-Abenteuer
Unter dem Motto „Liberté, Équité, Fiabilité“ (Freiheit,
Gleichheit, Verlässlichkeit) kamen 1.250 Menschen aus der Wikimedia
Bewegung in der französischen Hauptstadt zusammen. Weitere 2.000
Teilnehmende waren online dabei. Fünf Tage lang ging es um die
Frage: Wie können wir gemeinsam den freien Zugang zu Wissen stärken
– und dabei soviel Spaß wie möglich haben?
Ist KI unsere
Konkurrenz?
Wenn es nach Audrey Tang, der ehemaligen
taiwanesischen Digitalministerin und Entwicklerin für freie
Software geht, lautet die Antwort ganz klar: Nein! „Don’t let it be
a race. Wikipedia never tried to win.“ Es geht nicht ums Gewinnen,
sondern um Teilhabe an verlässlichem Wissen für alle.
Unterdessen plädierte Jan-David Franke von Wikimedia
Deutschland in seinem Lightning-Talk dafür, Wikipedia als
„öffentlichen digitalen Luxus“ zu sehen. Seine Argumentation
inspiriert dazu, die Wikimedia-Projekte als Gegenentwurf zu den
digitalen Produkten und KI-Anwendungen der großen Tech-Konzerne zu
begreifen. Ein Gegenentwurf, der den Weg zu einem
menschenfreundlichen und offenen Internet für alle aufzeigt.
Lane Becker von Wikimedia Enterprise wies darauf
hin, dass die Wikipedia in Zeiten von vermehrter KI-Nutzung viele
Alleinstellungsmerkmale hat: Sie steht für Genauigkeit,
Nachvollziehbarkeit und Differenziertheit sowie für all das
Menschliche, was eine Maschine, die in erster Linie aus Textmengen
Mittelwerte errechnet, nicht kann.
KI als Hürde für den
Wissenszugang
Generative KI ist nicht nur unfähig, Wissen zu erzeugen. Sie hat
auch das Potenzial, das globale Gefälle beim Zugang zu Wissen zu
verstärken. Das zeigten auf der Wikimania die
Sozialwissenschaftlerin Anwesha Chakraborty und die
Neurowissenschaftlerin und Wikipedianerin Netha Hussain. Beide haben Wikipedia-Aktive zu
ihren Erfahrungen mit generativer KI befragt. Die Sprachen der
Befragten: Bangla, Englisch, Malayalam, Italienisch, Schwedisch und Telugu.
Alle Befragten berichteten von den bekannten Problemen: Chatbots
präsentierten ihnen Unwahrheiten als Fakten sowie erfundene
Quellen. Vor allem diejenigen, die sogenannte kleinere Sprachen
sprechen, waren zudem mit weiteren Auffälligkeiten konfrontiert.
Dazu gehörten Antworten mit einem Satzbau, der „lächerlich“ falsch
war. Regelmäßig scheiterten die KI-Anwendungen an den kulturellen
Charakteristika der Sprache. Einige berichteten sogar, dass die
Künstliche Intelligenz Wörter erfand, die es in ihrer Sprachen gar
nicht gibt.
Der Grund: Die Trainingsdatenbasis ist vergleichsweise klein und
KI-Unternehmen investieren vor allem in generative Modelle in
Sprachen wie Englisch oder Deutsch. Das absurde daran: Telugu wird
von über 80 Millionen und Malayalam von rund 35 Millionen Menschen
gesprochen.
Der
Wikipedia-Bus fand auch bei der Wikimania großen Anklang. Viele
Wikipedianer*innen, von Südafrika über Chile bis Luxemburg,
wünschten sich den Bus als Ankerpunkt für den Austausch mit
Wikipedia-Nutzenden in ihrem Land.
Wollen wir KI
nutzen?
Wenngleich generative KI kein Wissen erzeugen kann, stand bei
der Wikimania immer wieder die Frage im Raum: Können wir uns
KI-gestützte Werkzeuge zunutze machen? Die Antwort darauf muss
natürlich jede Wikipedia-Community für sich selbst finden. Wenn es
um das Schreiben von enzyklopädischen Artikeln geht, sind
generative KI-Anwendungen nicht geeignet. Werkzeuge, in denen
unterschiedliche Formen von KI zum Einsatz kommen, könnten
Ehrenamtliche jedoch künftig bei anderen Aufgaben unterstützen –
etwa beim Aufspüren von Vandalismus, Formfehlern oder veralteten
Inhalten sowie bei Übersetzungen und beim Erkennen von Texten, die
mit generativer KI erstellt wurden.
Wichtig dabei: KI-Anwendungen könnten Assistenten sein, aber
Autor*in bleibt der Mensch. Denn nur Menschen können Hinweise von
KI überprüfen, kritisch hinterfragen und im Zweifel über Inhalte
diskutieren und Entscheidungen gemäß der Wikipedia-Prinzipien
treffen.
Neue Ideen für neue
Werkzeuge
Die Wikimania Team Challenge brachte über 200
Wikimania-Teilnehmende aus verschiedenen Wikimedia-Projekten
zusammen. Das Ziel: In 17 Teams entwickeln sie Ideen für Werkzeuge,
mit denen verschiedene Herausforderungen in Wikipedia, Wikimedia
Commons oder Wikidata angegangen werden könnten. Dabei ging es
unter anderem um das Aufspüren von veralteten Inhalten oder das
Aktualisieren und Reparieren von Quellenangaben. Auch zur Frage,
wie Wikipedia multimedialer oder das Bearbeiten spielerischer
werden kann, wurde experimentiert.
Wie bleiben Quellen
verlässlich?
Diese Frage stand auf der Wikimania im Rahmen der Team-Challenge
und in weiteren Workshops im Mittelpunkt. Denn das ist es, was
Wikipedia so vertrauenswürdig macht: Die Inhalte sind mit Quellen
belegt und werden von Menschen geprüft. Angesichts der Vielzahl von
Artikeln eine Herkulesaufgabe. Deswegen entwickeln
Wikipedianer*innen immer wieder Werkzeuge, die diese Arbeit
erleichtern.
Eine mögliche Antwort aus der Team Challenge lautet: CiteFix.
Diese Erweiterung für die Wikipedia-Software MediaWiki kann einige
fehlerhafte oder kaputte Quellenangaben in Artikeln aufspüren. Wenn
Nutzende CiteFix installiert haben, leitet das Toll sie direkt zum
Editor weiter und macht einen Vorschlag für die Korrektur – die
Wikipedianer*innen dann annehmen oder ablehnen können. Das Tool
wird aktuell weiterentwickelt.
Mit Herz und Humor
Neugier und Wissensdurst, Genauigkeit und
Verantwortungsbewusstsein, Idealismus und Großzügigkeit – das sind
Eigenschaften, die viele Menschen mitbringen, die Wissen mit der
Welt teilen. Bei der Wikimania zeigt sich: Herz und Humor gehören
ebenso zur Grundausstattung von Wikipedianer*innen.
Bei jeder Wikimania werden die Wikimedians of the Year
ausgezeichnet. Und die Laudatios haben es oft in sich. Denn wer 10,
15, 20 oder mehr Jahre in einem Wikimedia-Projekt aktiv ist, hat in
dieser Zeit oft viele Freunde gefunden, die begeisterte und
emotionale Lobreden auf die Ausgezeichneten hielten.
Das sind die Wikimedians of the Year
2026
Wikimedian of the Year: Jules* I Jules* begann seine
Wikipedia-Karriere im Jahr 2010, mittlerweile hat er fast 400.000
Bearbeitungen vorzuweisen. Einen Großteil seiner Zeit widmet er der
Beseitigung von Vandalismus, der Verbesserung neuer Beiträge, der
Unterstützung von Neulingen, der Bekämpfung nicht offengelegter
bezahlter Bearbeitungen und der Beantwortung von Hilfeanfragen aus
der Community. Als Autor konzentriert sich Jules* auf das Thema
Klimawandel.
Wikimedia Laureate: Dreamyshade | Dreamyshade begann im selben
Jahr, in dem Wikipedia ins Leben gerufen wurde – 2001. Heute hat
sie allein in der englischen Wikipedia mehr als 13.500
Bearbeitungen vorgenommen und bei Veranstaltungen in der San
Francisco Bay Area viele neue Wikimedianer betreut. Sie bringt
gerne Artikel in schlechtem Zustand auf Vordermann. Besonders am
Herzen liegt ihr die Überprüfbarkeit, und sie hat ein Talent dafür,
gefälschte Quellenangaben zu entlarven.
Wikimedia Laureate: Barkeep49 | Barkeep49 unterstützt andere
Ehrenamtlich in der Wikipedia und hat mehr als 40.000 Beiträge
verfasst. Wikipedias Mission, jedem hochwertige Informationen
zugänglich zu machen, entsprach seinen Werten, doch was ihn dazu
bewegte, zu bleiben, war die Community. Seine besondere
Leidenschaft gilt der US-amerikanischen Kinderliteratur, und eines
seiner Lieblingswerke ist der Artikel über Black and White – ein
Buch, das er als Kind liebte und zu dem er als Wikipedia-Redakteur
zurückkehrte.
Community Connector: Chlod | Der neu geschaffene „Community
Connector“-Preis geht an Chlod Alejandro, einen jungen Student aus
den Philippinen. Er hat zahlreiche Tools und Skripte entwickelt,
die Wikimedianern bei ihrer Wartungsarbeit helfen, und als Hommage
an diejenigen, die ihn in seinen Anfängen betreut haben, hat er
auch andere geschult. Hinzu kommt seine Arbeit mit seiner geliebten
Community in der ESEAP-Region, wo er eine organisatorische Rolle
übernommen hat und dabei hilft, Projekte und Veranstaltungen zu
organisieren.
Honorable mention: Mari Avetisyan | Als Mari Avetisyan 2018 mit dem
Bearbeiten begann, war sie sich nicht sicher, ob sie dort ihren
Platz finden würde. Stattdessen fand sie ein tiefes
Zugehörigkeitsgefühl: „Als ich der armenischen
Wikimedia-Gemeinschaft beitrat, hatte ich zum ersten Mal in meinem
Leben das Gefühl, wirklich zu etwas zu gehören“. Heute ist sie eine
zentrale Figur der CEE-Jugendgruppe, die sich für Kapazitätsaufbau,
gegenseitiges Lernen und Führungskräfteentwicklung unter jungen
Wikimedianern aus Mittel- und Osteuropa einsetzt.
Honorable mention: Hijiri | Die Ehrenauszeichnung geht in diesem
Jahr an Hijiri Umemoto, einen der allerersten Bearbeiter der
japanischen Wikipedia. Er begann mit der Bearbeitung, kurz nachdem
die Software die Verwendung japanischer Schriftzeichen ermöglichte.
Bald wurde er zum Betreuer des Hauptnamensraums des Projekts und
verfasste die ersten kurzen Artikel, die sogenannten „Stubs“. Ihm
liegt sehr viel daran, dass Wikipedia ein einladender Ort für alle
ist, die mitmachen wollen.
Eine musikalische
Weltpremiere
Ohne Musik wäre keine Wikipedia-Feier denkbar. Dafür sorgen seit
Jahren schon das WikiOrchestra und der WikiChoir. In diesem Jahr,
ganz im Sinne der französischen Gastgebenden, mit klassischer
französischer Musik. Und dann gab es noch eine Weltpremiere! Zur
Melodie von „Oh, Champs-Élysées“ führten
Orchester und Chor erstmals das Lied „Oh, Wikipedia“ auf.
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Meet Baby Globe und Moppy the
Mop
Wissen ist zwar menschlich, aber die Aktiven der
Wikimedia-Bewegung besitzen eine unerschöpfliche Kreativität, wenn
es darum geht, nicht-menschliche Maskottchen zu erfinden. Zwei
davon waren auf der Wikimania zu Gast. Baby Globe, das Maskottchen
zum 25. Geburtstag der Wikipedia, war eines der beliebtesten
Fotomotive bei der Konferenz.
Aber Baby Globe war nicht allein. Auch Moppy the Mop trieb sich in den Hallen der
Cité des sciences et de
l’industrie herum. Das Maskottchen der sogenannten „User with
extended rights“ wurde bei der Wikimania 2025 in Nairobi zum Leben
erweckt. Benutzer mit erweiterten Rechten sind Administrator*innen
und andere Ehrenamtliche, die besondere Aufgaben in den
Wikimedia-Projekten wahrnehmen. Die Werkzeuge, die solchen
Benutzer*innen zum virtuellen Aufräumen und Saubermachen zur
Verfügung stehen, werden oft mit dem Mop eines Hausmeisters
verglichen.
Habib M’henni, Wikimania 2025 Day 0 Users
with extended rights ZVE05911, CC BY-SA 4.0
Die Wikimania 2026 in Paris endete mit einem Ausblick in die
Zukunft. 2027 wird sie Wikimania in Santiago, Chile stattfinden.
Der Staffelstab wurde bereits in Paris übergeben.
Welche Themen die Menschen im deutschsprachigen Raum besonders
beschäftigt, lesen sie in der Wikipedia nach. Im Juli 2026 wurden
folgende Artikel besonders häufig aufgerufen:
Erneut gab es nicht nur reges Interesse an der aktuellen
Fußball-Weltmeisterschaft 2026,
sondern auch an den Ergebnissen bereits vergangener WMs. So kommt
der Wikipedia-Artikel zu den Fußball-Weltmeisterschaften im Juli
auf insgesamt 1.155.512 Aufrufe.
Mit dem Ende des Turniers wurden zudem einige Aktualisierungen
vorgenommen: Spanien wird nun als neuer
Titelträger gelistet und Kylian Mbappé mit ganzen 22 Toren als neuer
Rekordtorschütze.
Wie schon im Juni interessierten sich auch im Juli besonders
viele Menschen für den Ausgang der Fußball-Weltmeisterschaft 2026.
In einem spannenden Finale zwischen Argentinien und Spanien
unterlagen die argentinischen Titelverteidiger
knapp mit einem 0:1 in der Verlängerung. Damit konnte die spanische Nationalelf im
Anschluss ausgelassen ihren zweiten WM-Sieg feiern.
Mit 1.108.146 Aufrufen nimmt dieser Artikel erneut den
zweiten Platz unter den meistgelesenen Wikipedia-Seiten des Monats
ein.
Nach dem spanischen WM-Sieg und dem damit verbundenen Ende der
Fußball-Weltmeisterschaft 2026
stellt sich natürlich direkt die Frage nach der nächsten. Im Juli
haben sich deshalb bereits 1.047.989 Personen über die
Fußball-WM 2030 informiert.
Diese findet gemäß dem Vierjahresrhythmus 2030 in den
Hauptgastgeberländern Marokko, Portugal und Spanien statt. Aufgrund
des 100-jährigen Jubiläums werden zudem einzelne Spiele in
Argentinien, Paraguay und Uruguay ausgetragen.
Für großes Interesse sorgte außerdem Christopher Nolans neuer Film The Odyssee. Er ist der erste Spielfilm
in der Kinogeschichte, der vollständig mit speziell entwickelten
IMAX-Kameras gedreht wurde und deshalb weltweit für
viele ausverkaufte IMAX-Kinosäle verantwortlich ist.
1.020.403 Personen besorgten sich in der Wikipedia
Informationen über die Handlung und den Entstehungshintergrund des
Films.
Bei seiner ersten Fußball-Weltmeisterschaft führte der
norwegische Stürmer seine Nationalmannschaft mit gleich sieben
Toren ins Viertelfinale. Damit gehört Erling Haaland zusammen mit Lamine Yamal aktuell zu den begehrtesten
Fußballspielern überhaupt.
Doch nicht nur auf dem Platz überzeugt der 26-Jährige: Auch sein
Social-Media-Auftritt kommt bei Fans sehr gut an. Vor allem auf
Instagram teilt Haaland regelmäßig Einblicke in seinen Alltag und
punktet besonders mit selbstironischen Reaktionen auf Memes über seine Person. Im Juli
kommen deshalb zu seinen 76 Millionen Followern auch 871.490
Wikipedia-Aufrufe hinzu.
Der erst 19-jährige Spanier Lamine Yamal schrieb schon früh Fußballgeschichte. Mit
nur 16 Jahren wurde er zum jüngsten Spieler und Torschützen der
spanischen Nationalmannschaft und gewann daraufhin auch gleich die
Europameisterschaft 2024. Nun
konnte er sich im Juli, nur 6 Tage nach seinem Geburtstag,
zusätzlich den WM-Titel sichern.
Diese beeindruckende Leistung lasen 833.190 Menschen in
der Wikipedia nach.
Nach dem vorzeitigen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft
verkündete der ehemalige Fußball-Bundestrainer Julian Nagelsmann im Juli seinen Rücktritt.
Prompt folgten Spekulationen über seine Nachfolge.
Als Wunschkandidat des DFB kristallisierte sich schnell der
frühere Trainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool, Jürgen Klopp, heraus. Zunächst standen einer
Zusage noch Unstimmigkeiten mit seinem bisherigen Arbeitgeber Red
Bull im Weg. Diese sind inzwischen jedoch geklärt, sodass Klopp
sein Amt als Bundestrainer am 15. August antreten kann. Über diese
Entwicklung informierten sich insgesamt 772.832
Wikipedia-Nutzer:innen.
Mit seiner Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026
bestritt Lionel Messi seine sechste
WM-Endrunde und gehört damit gemeinsam mit Cristiano Ronaldo und Guillermo Ochoa zu den Spielern mit den meisten
WM-Endrundenteilnahmen. Die argentinische Nationalmannschaft
erreichte zwar das Finale, musste sich dort jedoch Spanien
geschlagen geben und konnte ihren Titel von 2022 nicht verteidigen.
Für den 39-jährigen Weltstar war dieses Turnier aller Voraussicht
nach sein letzter WM-Auftritt. Im Juli wurden sein Artikel und die
dort enthaltenen Informationen zu seiner beeindruckenden
Fußballkarriere insgesamt 674.578-mal aufgerufen.
Die walisische Sängerin Bonnie Tyler verstarb am 8. Juli 2026 im Alter von 75
Jahren nach längerer Krankheit. In den 1980ern wurde sie durch Hits
wie “Total Eclipse of the Heart” und
“Holding Out for a Hero”
weltberühmt. Ihr Tod löste weltweit große Anteilnahme aus, sodass
ihr Wikipedia-Artikel im Juli ganze 626.400-mal aufgerufen
wurde.
Schon seit Beginn der Fußball-WM 2026 nimmt die Kritik am
FIFA-Präsidenten Gianni Infantino stetig zu. Im
Fokus stehen die hohen WM-Ticketpreise, die kontrovers diskutierte
Aufhebung einer Spielsperre für den US-Stürmer Folarin Balogun sowie die jüngst geäußerten
Pläne, Anteile verschiedener Turniere an private Investoren zu
verkaufen.
Mittlerweile wird aus verschiedenen Richtungen sein Rücktritt
gefordert. So droht der europäische Fußballverband Uefa mit einem Boykott
weiterer FIFA-Turniere. Im Juli informierten sich 584.579
Wikipedia-Lesende über Infantino.
Die Idee entstand 2012: Nach einem Besuch des Wacken Open Airs stellte ein Wikipedianer fest,
dass es für viele zeitgenössische Musikerinnen und Musiker kaum
frei nutzbare Fotos für die Wikipedia gab. Das sollte sich im
nächsten Jahr ändern: Warum nicht selbst Fotos machen? Ein Team aus
der Community machte sich daran, Akkreditierungen für Konzerte und
Festivals zu organisieren – und macht das bis heute. Wikimedia
Deutschland und Wikimedia Österreich sagten die Förderung zu und
stellen seitdem professionelle Kameratechnik zur Verfügung. 2013
ging der Festivalsommer schließlich an den
Start – und war ein voller Erfolg: Schon im ersten Jahr luden die
Ehrenamtlichen auf insgesamt 73 Veranstaltungen 14.176 Fotos auf Commons
hoch.
Seitdem haben bereits über 50 ehrenamtliche Fotografinnen und
Fotografen Konzerte, Festivals und viele weitere Veranstaltungen
für Wikimedia Commons fotografiert. Die Bilder illustrieren
Wikipedia-Artikel und verwandte Projekte wie Wikiquote oder Wiktionary insgesamt 55.770 mal in
etlichen Sprachen. So helfen sie dabei, bestehende Inhalte zu
erweitern oder neue Inhalte überhaupt erst möglich zu machen. Von
2013 bis heute sind bereits 388.483 Bilder im Rahmen des
Festivalsommers entstanden. Laut Projektseite kommen 80 neue Artikel
in der deutschsprachigen Wikipedia dazu.
Fotografieren ist für mich ein kreatives Hobby. Es macht mir
unglaublich Spaß, im Graben zu stehen und die Künstler bei ihrer
Performance möglichst spektakulär abzulichten.
Stefan
Bollmann
Stefan Bollmann ist seit 2007 in der Wikipedia aktiv und hat im
Rahmen des Festivalsommers bereits über 80 Mal fotografiert.
Besondere Momente verbindet er dabei vor allem mit der Berliner
Rockband Knorkator.
Die holen seit einigen Jahren immer die Fotografen aus dem
Fotograben auf die Bühne und man kann dann die Band direkt auf der
Bühne fotografieren. Sozusagen hautnah.
Der Festivalsommer lebt vom
ehrenamtlichen Engagement
Mitmachen können alle, die im besten Fall schon erste
Erfahrungen in Wikimedia Commons oder Wikipedia gesammelt haben,
sich für Konzert- und Veranstaltungsfotografie begeistern und Spaß
daran haben, mit ihren Bildern und ihrem Wissen zur Wikipedia
und Wikimedia Commons beizutragen.
Was wäre, wenn Daten besser
zusammenarbeiten könnten?
Wie praktisch wäre es, wenn Informationen über Unternehmen,
Organisationen oder Lieferketten nicht auf unzählige Datenbanken
verteilt wären, sondern sich einfach miteinander verbinden ließen?
Wer Daten heute recherchiert, muss häufig verschiedene Quellen
durchsuchen und Informationen mühsam zusammenführen. Werden offene
Daten miteinander verknüpft, entstehen neue Zusammenhänge, die
Informationen werden leichter auffindbar und können in ganz
unterschiedlichen Kontexten wiederverwendet werden.
Genau daran arbeitet das Global Open Data Integration Network
(GODIN). Das internationale Netzwerk
bringt Organisationen zusammen, die offene Daten veröffentlichen
oder offene Datenstandards entwickeln. Gemeinsam möchten sie die
Interoperabilität offener Daten verbessern und so Transparenz,
Zusammenarbeit und Entwicklung fördern.
GODIN wurde gemeinsam von der Global Legal Entity Identifier
Foundation (GLEIF) und Open Ownership ins Leben gerufen. Innerhalb des
Netzwerks übernimmt GLEIF eine federführende Rolle bei der
Koordination und Weiterentwicklung der Initiative. Gleichzeitig
bringen alle Mitglieder ihre eigene Expertise und Perspektive ein,
um gemeinsam die Verbindung offener Daten weltweit
voranzubringen.
GLEIF ist eine gemeinnützige Organisation, die gegründet wurde,
um die Implementierung und Nutzung des Legal Entity Identifier
(LEI) und seiner digitalisierten Version, dem kryptografisch
verifizierbaren LEI (vLEI), zu
unterstützen. Der LEI ist eine weltweit eindeutige Kennung für
Organisationen und hilft dabei, Informationen aus verschiedenen
Quellen zuverlässig derselben Organisation zuzuordnen. Dadurch
können Daten besser miteinander verbunden und vertrauenswürdiger
genutzt werden.
Open Ownership setzt sich weltweit für mehr Transparenz bei
Eigentums- und Beteiligungsstrukturen von Unternehmen ein. Die
Organisation entwickelt offene Ansätze und Standards, um
Informationen darüber zugänglich und nutzbar zu machen, wem
Unternehmen gehören oder wer Kontrolle über sie ausübt.
Darum sind wir bei GODIN
dabei
Wikimedia Deutschland initiierte und entwickelt Wikidata, einen der weltweit größten offenen
Wissensgraphen. Über aktuell 220 Millionen strukturierter Einträge
bilden dort ein Netzwerk miteinander verknüpfter Informationen und
schaffen die Datengrundlage für Wikipedia sowie zahlreiche
Anwendungen, Forschungsprojekte und digitale Dienste. Auch treiben
wir mit Wikibase, der Software hinter Wikidata, das Konzept von
Linked Open Data (LOD) voran, mit dem wir eine Seite des Internets
fördern, die dem Gemeinwohl und der Zukunft der Menschen dient.
Die Erfahrungen aus Wikidata und Wikibase möchten wir künftig
auch bei GODIN einbringen. Denn Daten werden besonders wertvoll,
wenn sie über Organisations- und Plattformgrenzen hinweg sinnvoll
miteinander verbunden werden können. Unser Beitritt steht deshalb
vor allem für den Wunsch, gemeinsam an einer offenen, vernetzten
und nachhaltigen Datenlandschaft zu arbeiten.
Der Wert von offenem Wissen steigt, wenn es bereichsübergreifend
vernetzt und wiederverwendet werden kann. Der Beitritt zu GODIN
spiegelt unser Engagement wider, Interoperabilität von Daten zu
verbessern und den Nutzer*innen den freien Zugang zu mehr
Informationen zu erleichtern.
Alan Ang
Senior Partner Manager bei Wikimedia
Deutschland
Drei neue Mitglieder, ein
gemeinsames Ziel
Die drei neuen Mitglieder ergänzen GODIN auf unterschiedliche
Weise.
Wikimedia Deutschland bringt neben seiner Expertise im Bereich
strukturierter Wissensdaten, Wissensgraphen auch die enge
Zusammenarbeit mit einer internationalen Community ein . Open
Supply Hub trägt dazu bei, Lieferketten transparenter zu machen,
indem Produktionsstandorte weltweit offen dokumentiert werden.
Wikirate International sammelt und veröffentlicht Daten zur
sozialen und ökologischen Verantwortung von Unternehmen und
unterstützt damit eine bessere Vergleichbarkeit von
Nachhaltigkeitsinformationen.
Gemeinsam zeigen wir, wie vielfältig offene Daten sind – und
welchen Mehrwert sie schaffen können, wenn sie miteinander
verknüpft werden.
Begriffserklärungen
GODIN (Global Open Data
Integration Network)
Ein internationales Netzwerk von Organisationen, die offene
Daten veröffentlichen oder offene Datenstandards entwickeln. Ziel
ist es, Daten über gemeinsame Standards und eindeutige
Identifikatoren besser miteinander zu verbinden, damit sie leichter
gefunden, kombiniert und genutzt werden können.
Wikidata
Wikidata ist ein frei verfügbarer Wissensgraph. Anders als eine
klassische Datenbank speichert Wikidata Informationen nicht nur als
einzelne Datensätze, sondern als Netz miteinander verknüpfter
Fakten. Dadurch können Zusammenhänge zwischen Personen, Orten,
Organisationen oder anderen Themen maschinell verstanden und in
Anwendungen wie Wikipedia, Suchmaschinen oder Forschungsprojekten
genutzt werden.
Wikibase
Wikibase ist die Open-Source-Software, auf der Wikidata basiert.
Mit ihr lassen sich strukturierte Daten speichern, verwalten und
miteinander verknüpfen. Da Wikibase frei verfügbar ist, können auch
andere Organisationen eigene Wissensdatenbanken aufbauen und ihre
Daten mit anderen offenen Datenquellen verbinden.
Linked Open Data
(LOD)
Linked Open Data bezeichnet das Prinzip, offene Daten so zu
veröffentlichen, dass sie über gemeinsame Standards und eindeutige
Identifikatoren miteinander verknüpft werden können. Dadurch
entstehen Verbindungen zwischen verschiedenen Datensammlungen, die
neue Zusammenhänge sichtbar machen und Informationen leichter
auffindbar sowie wiederverwendbar machen. Wikidata ist eines der
bekanntesten Beispiele für Linked Open Data und zeigt, wie
vernetzte Daten einen größeren Mehrwert schaffen können als
isolierte Datensätze.
LEI (Legal Entity
Identifier)
Der Legal Entity Identifier (LEI) ist eine weltweit eindeutige
Kennung für Organisationen. Er ist ein alphanumerischer Code aus 20
Zeichen und basiert auf der von der Internationalen Organisation
für Normung (ISO) entwickelten ISO-Norm 17442. In einem LEI sind
alle relevanten Informationen über ein Unternehmen oder eine
juristische Person enthalten, so dass Fragen zur Identität („Wer
ist Wer“) und zu den Eigentumsverhältnissen („Wer besitzt wen“)
eindeutig beantwortet werden können. Diese Referenzdaten, also die
öffentlich zugänglichen Informationen über Rechtsträger, werden
anhand von öffentlichen Drittquellen validiert, und ermöglichen die
eindeutige Identifizierung von juristischen Personen.Die
LEI-Datensätze sind im Global LEI Index, dem öffentlich
zugänglichen LEI-Datenbestand, abrufbar.
Wikipedia als Einstieg in eine Profikarriere:Stepro begann mit einem einzigen korrigierten
Filmeintrag – und wurde über die Wikipedia-Community zum
professionellen Fotografen. Autodidaktisch, Schritt für
Schritt.
Fotos gehören in die Wikipedia: Wer Bilder macht und sie
nur für sich behält, verschenkt ihre Wirkung. Auf Wikimedia Commons
sind sie dauerhaft für alle zugänglich – und bereichern Artikel,
die sonst kein einziges Bild hätten.
Lücken füllen, die sonst niemand füllt: Im Frauen-Sport,
bei regionalen Veranstaltungen, in Nischenbereichen – da fehlen
Fotos. Wer dort fotografiert und hochlädt, macht Menschen und
Themen sichtbar, die sonst nur wenig Aufmerksamkeit
genießen.Freies Wissen braucht Gesichter: Artikel über
Sportlerinnen, Politiker, Kulturschaffende sind ohne Porträtfotos
unvollständig. Dein Bild kann das erste sein, das einen Artikel zum
Leben erweckt. .
Technikförderung macht den Unterschied: Stepros gesamte
Kameraausrüstung stellt Wikimedia Deutschland, ein Teleobjektiv
leiht er sich von Wikimedia Österreich. Ohne diese Unterstützung
wären viele seiner Bilder nicht möglich.
Offen ansprechen statt heimlich knipsen: Sein
ultimativer Tipp für gute Bilder: Menschen erklären, wofür die
Fotos gedacht sind. Die Reaktion ist fast immer positiv. Und das
Bild wird besser.
Stepro, wann und wie bist du
Wikipedianer geworden?
Das war vor ziemlich genau 20 Jahren. Wikipedia war damals noch
gar nicht so bekannt. Ich habe den Film „Die Verurteilten“
geschaut, zu dem ich etwas wissen wollte, googelte und stieß auf
den Wikipedia-Eintrag. Darin fand ich
ein Detail, das nicht stimmte und habe es einfach geändert. Das war
mein erster Edit. Ich dachte: Was
passiert jetzt? Bricht die Hölle los? Es ist aber gar nichts
passiert (lacht)! Die Änderung blieb, und ich dachte: Das ist ja
cool!
Wie ging es weiter?
Ich habe nicht sofort große Artikel geschrieben, aber immer mal
wieder Kleinigkeiten korrigiert oder erweitert – und irgendwann
stellte ich fest: Die Wikipedia-Community veranstaltet auch
Fotoworkshops. Gehe ich da doch einfach mal hin! Darüber kam ich
zur Fotografie. Ich hatte damals nur Hosentaschen-Knipser, aber
mein Interesse war geweckt. Ich fing an, Bilder auf Wikimedia
Commons hochzuladen und in Wikipedia-Artikel einzubinden. Daraus
wurde dann eine richtige Leidenschaft.
Wieviele Uploads auf Wikimedia
Commons hast du inzwischen?
Um die 50.000 müssten es sein. Rund 1300 davon wurden von der
Community als sogenannte „Qualitätsbilder“ ausgezeichnet.
Das sind Bilder, die bestimmte Qualitätsstandards erfüllen und für
die Wikimedia-Projekte nützlich sind. Dazu kommen ca. 20 „Exzellente Bilder“, die von
Commons-Usern als die hochwertigsten auf der Seite gewählt werden –
was mich natürlich sehr freut!
Was waren deine ersten
Motive?
Tatsächlich Denkmäler. Damals, 2011, fand die erste
deutschsprachige Ausgabe des Wettbewerbs Wiki Loves Monuments statt. Zusammen
mit anderen Ehrenamtlichen bin ich fünf Tage lang durch
Mittelhessen gezogen und habe Schlösser und Burgen fotografiert.
Hinterher konnte ich dann einigermaßen fotografieren. Und ich
fühlte mich noch mehr als Teil der Community. Ich war bereits ein
Jahr vorher bei der ersten Skillshare in Lüneburg dabei,
dem Vorläufer der WikiCon, die dann unter diesem Namen zum ersten
Mal 2011 stattfand. Die habe ich auch besucht – und seitdem keine
WikiCon verpasst.
Warum wolltest du deine Bilder
allen frei zur Verfügung stellen?
Heute posten viele ihre Bilder auf Instagram oder anderen
Kanälen, aber zu der Zeit, als ich anfing, hat man sich Fotos meist
nur selbst angeschaut, sich darüber gefreut – und dann war’s das.
Das fand ich schade. Deswegen fing ich an, sie bei Wikimedia
Commons hochzuladen. Ich fand es auch einfach schön, wenn
Wikipedia-Artikel Bilder bekamen und dadurch anschaulicher und
lebendiger wurden. Egal, ob es um Schauspieler, Politiker, Sportler
oder andere Persönlichkeiten geht – wenn man einen Artikel aufruft,
möchte man doch einfach wissen, wie dieser Mensch aussieht. Es ist
teilweise heute noch so, dass ich in Artikel das erste Bild
einsetze, gerade im Sportbereich.
Das kam mit der Zeit. Wenn man so viele Jahre lang fotografiert,
wird man automatisch besser, das ist ja hauptsächlich eine Frage
von Erfahrung. Ich hatte beruflich lange Zeit befristete
Arbeitsverträge, dachte dann an irgendeinem Punkt: jetzt versuchst
du es mal mit der Selbstständigkeit – und bin dann tatsächlich
professioneller Fotograf geworden. Komplett als Autodidakt. Klar
habe ich Bücher gelesen und bei Workshops einiges gelernt. Aber im
Prinzip geht es beim Fotografieren vor allem ums Machen. Man muss
sich langsam ranarbeiten.
Was waren wichtige Learnings
unterwegs? Was würdest du anderen raten, die anfangen wollen zu
fotografieren?
Klein anfangen. Im Sportbereich habe ich zum Beispiel mit
Frauenfußball begonnen. Heutzutage ist auch da die Konkurrenz
größer, aber man kann immer noch in einer der unteren Ligen
einsteigen. Und wenn man das eine Weile gemacht hat, geht man eben
eine Liga höher. Das war jedenfalls mein Weg. Im Wintersportbereich
fing ich damit an, Rodelwettkämpfe zu fotografieren. Wenn man
erstmal ein paar gute Fotos vorzeigen kann, öffnen sich in der
Regel weitere Türen. Beim Motorsport war es genauso. Ich fing mit
Motorradrennen am Schleizer Dreieck an, habe es dann zur DTM geschafft, später zur Formel E – und schließlich eine
Akkreditierung für die Formel 1 bekommen.
Warum der Einstieg mit
Frauenfußball?
Mich hat Fußball eigentlich nie interessiert. Aber dann fand
2011 die WM der Frauen in
Deutschland statt, ich war live beim Eröffnungsspiel im
Berliner Olympiastadion dabei. Das fand ich cool. Danach habe ich
um die Ecke von meinem Wohnort Erfurt, in Jena, ein Spiel der
Frauen-Bundesliga besucht. Erstmal nur als Zuschauer. Ich dachte:
Mal sehen, ob ich mit der Kamera reinkomme. Das war überhaupt kein
Problem, ich konnte von der Tribüne aus in Ruhe meine Fotos machen.
Dann fragte ich, ob ich vom Spielfeldrand Fotos für Wikipedia
machen darf. Und es hieß nur: Klar, mach doch.
Wie leicht ist es, als
Wikipedianer eine Akkreditierung für Sportveranstaltungen zu
bekommen?
Es kommt drauf an. Für die Fußball-Champions League der Männer
dürfte es schwierig werden. Aber zum Beispiel im Bereich Volleyball
oder Basketball der Frauen sollte das kein Problem sein. Ich habe
selbst eine Zeitlang die Basketball-Bundesliga der Frauen
fotografiert – da war ich teilweise der einzige Pressevertreter.
Auch in der Wikipedia oder auf Commons gab es dazu nichts. Diese
Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die
Aufmerksamkeit ist gerade im Sport schon krass. Der Wikipedia wird
ja oft ein Gender-Gap vorgeworfen. Aber die
Wurzeln des Problems liegen im echten Leben.
Was ist für dich der Unterschied
zwischen einem Pressefoto und einem Foto für die
Wikipedia?
Bei einem Pressefoto geht es meist um Actionszenen, für einen
Personen-Artikel in der Wikipedia ist ein Portrait besser. Mir
kommt das entgegen, weil ich sowieso am liebsten Porträtfotos
mache. Ich gehe oft nach Sportveranstaltungen noch zu den
Pressekonferenzen und lichte da die Menschen aus der Nähe ab. Ohne
Helm oder Visier (lacht). Manchmal schreibe ich Leute auch direkt
an, ob ich mit ihnen Fotos machen kann – wie zuletzt beispielsweise
die Rennfahrerin Sophia Flörsch.
Auf welche deiner Bilder bist du
besonders stolz?
Fotos von Siegerehrungen oder Jubeltrauben direkt nach einem
Sieg finde ich am schönsten. Wenn Sportlerinnen oder Sportler eine
Medaille umgehängt bekommen oder einen Pokal in die Höhe stemmen –
das sind schon tolle Momente. Oder wenn ein Rennfahrer wie Pascal Wehrlein auf dem Podium seine kleine
Tochter auf dem Arm hat – das war ein süßer Moment.
Was rätst du Menschen, die in
der Wikipedia oder bei Wikimedia Commons mitmachen
wollen?
Einfach machen. Klingt simpel, ist es auch (lacht). Schauen, was
andere machen, sie fragen, wie sie es machen, vielleicht zu einem
Treffen von Wikipedianern gehen oder an einer GLAM-Veranstaltung teilnehmen. Da sind auch immer
Ehrenamtliche dabei, die fotografieren und gerne Tipps geben.
Was ist dein ultimativer Tipp
für ein gutes Bild?
Es ist immer gut, Menschen ganz offen anzusprechen. Sagen, warum
man die Fotos machen will und dass sie für die Wikipedia gedacht
sind. Die Allermeisten reagieren darauf sehr positiv. Dann entsteht
auch ein besseres Bild, als würde man heimlich aus der fünften
Reihe jemanden fotografieren. Man sollte generell keine Fotos
hochladen, auf denen Leute unvorteilhaft aussehen.
Von Sportevents bis zu Kulturveranstaltungen braucht es oft
Presseakkreditierungen. Wir unterstützen alle, die ehrenamtlich
Bilder für Wikipedia und Wikimedia Commons machen möchten, bei der
Beantragung.
Wer eine Profikamera oder ein Teleobjektiv für seine
ehrenamtliche Arbeit benötigt, kann diese bei uns beantragen. Wir
stellen Leihgeräte zur Verfügung – von Kameras bis hin zu teuren
Objektiven.
So ist ehrenamtliches
Fotografieren für Freies Wissen möglich
Erweitern Sie die Bilderwelt von Wikimedia Commons – der freien
Mediendatenbank – und schließen Sie mit Ihren Fotos Lücken im
weltweiten Wissensschatz. Zeigen Sie anderen, wie freie Bilder
nachgenutzt werden können:
Zum WM-Auftakt besiegte Deutschland den WM-Debütanten Curaçao mit 7:1 und erinnerte damit an das berühmte
Halbfinale gegen Brasilien im Jahr 2014. Dennoch haben sich die
Mannschaft und ihre
hochmotivierten Fans in die Herzen der Zuschauer*innen gespielt.
Der Wikipedia-Artikel zur Karibikinsel wurde im Juni 2.883.390-mal
gelesen.
Bereits im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2026
gab es Kritik, insbesondere am Gastgeberland USA. Die USA stellen
gemeinsam mit Kanada und Mexiko den diesjährigen Austragungsort.
Aufgrund der überteuerten Tickets und der allgemeinen politischen
Situation unter Donald Trump riefen einige Fußballfans zu einem
Boykott auf. Die Wikipedia-Seite wurde ganze 2.175.782 Mal
angesehen.
Deniz Undav steht seit 2023 als
Stürmer beim VfB Stuttgart unter Vertrag.
2024 wurde er außerdem für die deutsche Nationalmannschaft
nominiert. Beim Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste gelang ihm nach
seiner Einwechslung zunächst der 1:1-Ausgleich und in der
Nachspielzeit sogar der 2:1-Siegtreffer, der Deutschland den Einzug
ins Sechzehntelfinale sicherte. Seine Rolle als Einwechselspieler
bei der Fußball-WM 2026 sorgte in der deutschen Öffentlichkeit für
heftige Diskussionen und verzeichnete insgesamt 1.516.853 Aufrufe
in der Wikipedia.
Nicht nur der Artikel zur diesjährigen Fußball-WM wurde fleißig
gelesen: Auch der Artikel zu den vergangenen Weltmeisterschaften kam
im Juni auf insgesamt 989 203 Aufrufe. Neben der Geschichte konnten
darin die Rekordtorschützen und die vergangenen Fußball-Weltmeister
nachgelesen werden.
Mit knapp 600.000 Einwohnern ist Kap Verde eine der kleinsten Nationen, die sich je für
eine Fußball-WM qualifiziert haben. Nach dem überraschenden
Weiterkommen in der Gruppenphase hielten sie sich im
Sechzehntelfinale tapfer gegen den Favoriten Argentinien. Erst in
der Nachspielzeit schieden sie mit einem 3:2 aus. Die Geschichte
des afrikanischen Inselstaates lasen 810 139 Wikipedia-Nutzer*innen
nach.
Trotz der großen Fußball-Euphorie hat es auch der deutsche
Tennisprofi Alexander Zverev unter die zehn meistgelesenen
Wikipedia-Artikel im Juni geschafft. Seine Seite wurde insgesamt
778.628 Mal aufgerufen. Bisher hat er 25 Titel im Einzel und drei
im Doppel gewonnen.
Bei dieser Weltmeisterschaft hat die deutsche Nationalelf keine
Chance mehr auf den WM-Titel, doch das nächste Turnier lässt nicht
lange auf sich warten. Bereits 689 224 Personen haben sich über die
Fußball-Weltmeisterschaft 2030
informiert. Hauptgastgeber für das 100-jährige Jubiläum sind
Marokko, Portugal und Spanien, einzelne Spiele finden in
Argentinien, Paraguay und Uruguay statt.
Das Nationalteam der Elfenbeinküste
gewann bereits mehrfach den Afrika-Cup und qualifizierte sich auch für die
Endrunde der Fußball-WM 2026. In der Gruppenphase unterlagen sie
Deutschland nur knapp mit 2:1 und zogen trotzdem ins
Sechzehntelfinale ein. Dort schieden sie mit einer 2:1-Niederlage
gegen Norwegen aus. Der Artikel über die Elfenbeinküste wurde insgesamt 629 830 Mal
gelesen.
Im Juni musste Julian Nagelsmann als Bundestrainer viel Kritik
einstecken. Nachdem er 2022 mit dem FC Bayern München deutscher Meister
geworden war, übernahm er 2023 die deutsche Nationalmannschaft. Auf
zwei erfolgreiche Siege in der Gruppenphase folgten eine Niederlage
gegen Ecuador und das frühe WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen
Paraguay. Kurz darauf verkündete er seinen Rücktritt. Über seinen
Werdegang informierten sich 571.425 Wikipedia-Nutzer*innen.
Felix Kalu Nmecha ist ein
deutsch-englischer Fußballspieler, der aktuell bei Borussia
Dortmund unter Vertrag steht. Seit 2023 spielt er außerdem für die
deutsche Nationalmannschaft. Als bekennender Christ teilt er
regelmäßig religiöse Inhalte in den sozialen Medien und erregte
damit bei der Fußball-WM 2026 internationales Aufsehen. Nach dem
deutschen Auftaktspiel formte er gemeinsam mit anderen Spielern
einen Gebetskreis und löste infolgedessen eine Debatte um die
Sichtbarkeit von Religion in der Öffentlichkeit aus. Mit 567.716
Aufrufen erreichte sein Wikipedia-Artikel im Juni Platz 10.
Zu verstehen, wer politische Macht ausübt und wie Rollen,
Institutionen und Einzelpersonen miteinander verbunden sind, ist
für jede funktionierende Demokratie von grundlegender Bedeutung. In
der Praxis sind diese Informationen jedoch oft fragmentiert,
uneinheitlich und schwer zu finden, insbesondere über Länder- und
Systemgrenzen hinweg.
Mit „EveryPolitician“ will die Organisation OpenSanctions dies ändern. Das Projekt zielt darauf
ab, einen globalen, strukturierten Datensatz politischer Amtsträger
aufzubauen – von Regierungschef*innen und Gesetzgeber*innen bis hin
zu Richter*innen und vielen mehr. Mit aktuell über 720.000
Einträgen schafft die Datenbank eine Grundlage für Transparenz,
Forschung und Rechenschaftspflicht. Unter Nutzung von Wikidata verknüpft sie verstreute öffentliche
Daten zu einem kohärenten, abfragbaren Wissensgraphen.
Was ist ein Wissensgraph? Ein Wissensgraph
verknüpft Informationen und macht Beziehungen zwischen ihnen
sichtbar. Wikidata ist ein solcher Wissensgraph: EveryPolitician
nutzt diese Struktur, um politische Daten zu vernetzen und
Zusammenhänge zwischen Personen, Ämtern und Institutionen zu
zeigen.
Von Ada Homolova lizenziert unter CC BY-SA
4.0
Johan
Schuijt leitet das Projekt Every Politician seit Anfang 2026
Wir sprachen mit Johan Schuijt, dem Leiter von
„EveryPolitician“, darüber, wie das Projekt entstanden ist, was es
von herkömmlichen Datensätzen unterscheidet und warum offene
Wissensinfrastrukturen entscheidend sind, um Macht in einer
komplexen, datengesteuerten Welt zu verstehen.
Takeaways
Politische Transparenz braucht offene Daten.
Nur wenn klar ist, wer politische Verantwortung trägt, können
demokratische Kontrolle und Rechenschaft funktionieren.
Erst vernetzte Daten machen Zusammenhänge
sichtbar. Werden Informationen aus vielen Quellen
strukturiert zusammengeführt, lassen sich Muster, Netzwerke und
Entwicklungen erkennen.
Wikidata liefert das Fundament für offene
Wissensprojekte. Die Kombination aus einer globalen
Community, einem gemeinsamen Datenmodell und eindeutigen
Identifikatoren macht Wikidata zur idealen Grundlage für Projekte
wie EveryPolitician.
Politische Daten sind komplexer, als sie auf den ersten
Blick wirken. Unterschiedliche politische Systeme,
Begriffe und Datenstandards machen ihre weltweite Erfassung zu
einer technischen und gesellschaftlichen Herausforderung.
Offene Wissensinfrastrukturen sind
Gemeinschaftsprojekte. Projekte wie EveryPolitician leben
von Menschen und Organisationen weltweit, die ihr Wissen teilen und
gemeinsam zu einer transparenten politischen Datenbasis
beitragen.
Ihr habt euch mit „EveryPolitician“
zum Ziel gesetzt, politische Amtsträger weltweit zu erfassen. Wie
kam es zu dieser Idee?
Die heutige Version von „EveryPolitician“ entstand aus einem
früheren Projekt der britischen gemeinnützigen Organisation
mySociety. Es basierte auf der einfachen Idee,
genaue und aktuelle Daten zu allen politischen Amtsträger*innen
weltweit zu sammeln und diese in einem einheitlichen, kostenlosen
und barrierefreien Format öffentlich bereitzustellen. Die frühe
Version von „EveryPolitician“ wurde 2019 eingestellt, da die enorme
Aufgabe, aktuelle Parlamentsdaten zu sammeln, im Rahmen einer durch
Fördermittel finanzierten Organisation nicht aufrechterhalten
werden konnte.
OpenSanctions hat das Projekt dann Anfang dieses Jahres
übernommen, und wir bleiben der ursprünglichen Vision von mySociety
treu, indem wir den Fokus auf die Community legen und die
Mitwirkung der Nutzer*innen in den Vordergrund stellen. Das Projekt
knüpft zudem eng an unsere Arbeit bei OpenSanctions an und bietet
uns die Möglichkeit, unsere Daten zu politisch exponierten Personen
(kurz: PEPs) zu erweitern und zu vertiefen, die von
Finanzdienstleistungsunternehmen für Geldwäschebekämpfungsmaßnahmen
(Anti-Money Laundering, kurz AML) genutzt werden.
Ihr sagt, dass Transparenz über
politische Amtstragende eine wichtige Grundlage für
Rechenschaftspflicht ist. Warum ist es so wichtig, dass
Bürger*innen nachvollziehen können, wer welche politischen Ämter
innehat und welche Verantwortung damit verbunden ist?
Egal, wo auf der Welt wir leben: Politische Entscheidungen
beeinflussen unser aller Leben. Zu wissen, wer diese Entscheidungen
mitgestaltet und welche Personen Verantwortung tragen, sollte daher
ein grundlegendes Recht aller Bürger*innen sein.
Der Zugang zu verlässlichen Daten über politische Amtstragende
ist dafür ein wichtiger erster Schritt. Darüber hinaus möchten wir
eine Datenbasis schaffen, die in der Praxis genutzt werden kann –
etwa in der Korruptionsbekämpfung, bei der Verhinderung von
Geldwäsche oder im investigativen Journalismus. Wir verstehen diese
Arbeit als Teil eines größeren Ansatzes, Transparenz zu fördern und
Strukturen für mehr Verantwortlichkeit im politischen Leben zu
schaffen.
Es gibt bereits verschiedene
Datensätze zu Politiker*innen und Amtsträger*innen. Wodurch
unterscheidet sich „EveryPolitician“ von anderen
Initiativen?
Ich denke, was das Projekt vor allem auszeichnet, ist die
Tatsache, dass wir Daten aus so vielen verschiedenen Quellen
zusammenführen und sie aufeinander abstimmen. Ein weiterer Punkt
ist unsere Offenheit – es gibt zwar umfassendere Datensätze, doch
diese sind oft kostenpflichtig und für Journalist*innen oder
zivilgesellschaftliche Organisationen nicht unbedingt zugänglich.
Bei „EveryPolitician“ sind alle Einträge auf unserer Website
uneingeschränkt einsehbar, es gibt also keine Bezahlschranke oder
Zugangsbarrieren.
Ein weiterer Punkt, der uns auszeichnet, ist, dass wir als
Open-Source-Projekt in einer Branche agieren, in der ein solches
Maß an Überprüfbarkeit nicht die Norm ist. Unsere Methodik ist
öffentlich dokumentiert, und Compliance-Teams können jeden
Datenpunkt in Prüf- und Analyseprozessen bis zu seiner
ursprünglichen Quelle zurückverfolgen.
Was verändert sich, wenn man
fragmentierte Listen von Amtstragenden zu einem strukturierten,
vernetzten Datensatz zusammenführt? Welche Erkenntnisse lassen sich
dadurch gewinnen?
Alles verändert sich. Aus einzelnen, isolierten Quellen lässt
sich nur begrenzt etwas ableiten, da sie oft nicht direkt
vergleichbar sind. Im Grunde geht es um ein „Sprachproblem“: Es
braucht ein gemeinsames Datenmodell, das die Struktur von Hunderten
politischer Systeme sinnvoll abbildet – eine zentrale und spannende
Herausforderung.
Wenn diese Datensätze bereinigt, dedupliziert und zu einem
strukturierten, vernetzten Datensatz zusammengeführt werden, werden
Muster und Anomalien sichtbar, die tiefere Analysen
ermöglichen.
Wenn fragmentierte Daten zu einem
strukturierten, vernetzten Datensatz zusammengeführt werden: Welche
Herausforderungen ergeben sich dabei bei der weltweiten Erhebung
und Aufbereitung politischer Daten?
Die Erfassung politischer Daten weltweit ist eine Aufgabe, die
die Kapazitäten eines einzelnen Entwicklerteams deutlich
übersteigt. Wahlen finden regelmäßig statt, ebenso
Kabinettsumbildungen, und je nach Land werden offizielle
Informationen sehr unterschiedlich häufig und in unterschiedlicher
Qualität aktualisiert.
In gewisser Weise sind politische Daten selbst politisch:
Unterschiedliche Länder verwenden verschiedene Systeme, Begriffe
und Klassifikationen für Ämter und Institutionen. Schon die Frage,
wer überhaupt als politischer Amtstragender gilt, ist nicht
einheitlich definiert. Diese unterschiedlichen Quellen und Rollen
in ein gemeinsames Datenmodell zu überführen, erfordert daher viele
Abwägungen – technisch anspruchsvoll und oft auch
kontextabhängig.
Hinzu kommen systemische Verzerrungen: Bei der Erfassung
politisch exponierter Personen (PEPs) sind Daten zu bekannten
Politiker*innen in großen Ländern wie den USA oft sehr detailliert,
während Informationen aus kleineren oder digital weniger gut
dokumentierten Ländern häufig lückenhaft sind. Außerdem dominieren
englischsprachige Quellen, und wohlhabendere Länder mit aktiveren
zivilen Softwareentwickler*innen-Netzwerken verfügen in der Regel
über mehr Ressourcen zur Datenerhebung und -pflege.
Eine einheitliche Lösung für all diese Herausforderungen gibt es
nicht. Ein wichtiger erster Schritt ist jedoch, die Hürden für
Beiträge aus der Community so niedrig wie möglich zu halten – etwa
durch einfache Techniken, um neue Quellen hinzuzufügen. Unser
Ansatz ist es, möglichst viel zu automatisieren und gleichzeitig
Menschen weltweit zu ermöglichen, aktiv zur Verbesserung und
Erweiterung der Daten beizutragen.
Im Moment erhalten wir viel Unterstützung aus der bestehenden
Wikidata-Community und von OpenSanctions-Nutzenden – unser Ziel ist
es aber nach und nach eine Community auf der ganzen Welt
aufzubauen.
Lizenz: Von OpenSanctions lizenziert unter
CC BY-SA 4.0
Für das
OpenSanctions-Team ist EveryPolitician ein Herzensprojekt. Von
links nach rechts: Friedrich Lindenberg (Gründer von
OpenSanctions), Ivan Stavropoltsev (Data Engineer bei
OpenSanctions),Frederik Richter (Commercial Director bei
OpenSanctions) und Julia Vernersson (Chief of Staff bei
OpenSanctions).
Wie geht ihr bei der Identifikation
von Entitäten vor und wie stellt ihr Eindeutigkeit sicher – also
dass sich unterschiedliche Datensätze aus verschiedenen Ländern,
Sprachen und Systemen tatsächlich auf dieselbe Person
beziehen?
Das Abgleichen von Namen und Identitäten ist mehr als ein
technisches Problem – in den Daten stecken kulturelle, sprachliche
und rechtliche Uneindeutigkeiten, die berücksichtigt werden müssen.
Bei „EveryPolitician“ geht es darum, aus unterschiedlichen
Datenquellen verlässliche Verbindungen zwischen Personen und
Organisationen herzustellen.
Dafür wird ein Verfahren namens Blocking eingesetzt, das
effizient mögliche Übereinstimmungen zwischen Datensätzen
identifiziert. Anschließend bewertet die Open-Source-Software
„nomenklatura“ diese Kandidat*innen
anhand verschiedener Merkmale, bereinigt uneinheitliche oder
fehlerhafte Daten und hilft dabei, Verbindungen zwischen
unterschiedlichen Datensätzen herzustellen. So können Informationen
aus verschiedenen Quellen besser zusammengeführt und Zusammenhänge
sichtbar gemacht werden. Ergänzend wird untersucht, wie Large
Language Models (LLMs) diesen Matching-Prozess als zusätzliche
Prüfebene unterstützen können.
Bei der Identifikation von Identitäten (dem Prozess,
bei dem unterschiedliche Datensätze identifiziert, abgeglichen und
miteinander verknüpft werden, die sich auf dieselbe reale Entität
wie eine Person oder ein Unternehmen beziehen) bezeichnet
Blocking das Verfahren, bei dem kleinere Gruppen („Buckets“
oder „Blöcke“) von Entitäten gebildet werden, die bestimmte
gemeinsame Merkmale aufweisen – etwa Telefonnummern,
Namensbestandteile, Steuernummern oder andere identifizierende
Informationen. Eine ausführlichere Erklärung dieses Prozesses
findet sich hier.
Dem vorgelagert ist PoliLoom: unser LLM-basiertes
Werkzeug, das darauf abzielt, unvollständige oder unstrukturierte
Informationen zu erschließen und in strukturierte Daten in Wikidata
zu überführen. Es extrahiert beispielsweise Informationen aus
natürlichsprachigen Quellen wie Wikipedia-Artikeln, ergänzt sie bei
Wikidata und macht sie damit für die weitere Verarbeitung
nutzbar.
Auf dieser Basis werden passende Einträge und Kategorien
vorgeschlagen, die anschließend von Menschen aus der
Wikidata-Community geprüft, angenommen oder auch abgelehnt werden
können.
Die beiden Teile greifen ineinander, erfüllen aber
unterschiedliche Funktionen: PoliLoom sorgt dafür, dass Wissen aus
unstrukturierten Quellen strukturiert verfügbar wird. Das Blocking-
und Matching-System sorgt dafür, dass diese und andere
strukturierte Daten über verschiedene Quellen hinweg zuverlässig
miteinander verknüpft werden können.
Screenshot von
https://everypolitician.org/ am 25.06.2026
„EveryPolitician“ stützt sich zu
einem großen Teil auf Wikidata. Was macht Wikidata zur richtigen
Grundlage für dieses Projekt?
Wikidata bietet eine Datenmenge und inhaltliche Breite, mit der
kein einzelnes Entwicklerteam mithalten kann. Der
community-sorientierte Ansatz und die kollaborative Arbeitsweise
führen dazu, dass die Profile sehr detailliert sind: Sie gehen oft
weit über grundlegende Informationen wie Geburtsdaten und
politische Ämter hinaus und enthalten beispielsweise
unterschiedliche Namensvarianten in Dutzenden von Schriftsystemen
sowie Informationen zu familiären Beziehungen.
Ein weiterer entscheidender Vorteil von Wikidata ist, dass
Einträge dank ihrer eindeutigen Identifikatoren nahezu vollständig
von Duplikaten bereinigt sind. Dadurch können zum Beispiel auch
alle sprachspezifischen Wikipedia-Artikel zu einem Thema mit
demselben Wikidata-Eintrag verknüpft werden. Sie haben vielleicht
gesehen, dass wir dieselben QID (Q-Identifikatoren)
verwenden, um Personen, die in EveryPolitician auftauchen,
eindeutig zuzuordnen.
Inwiefern beeinflusst die Arbeit mit
Wikidata euren Arbeitsablauf in der Praxis? Wo hilft es euch am
meisten, und wo stoßt ihr auf Herausforderungen?
Unser PoliLoom Tool, basiert zu 100 % auf Wikidata.
Wir sind überzeugt, dass die Herausforderung, die internationale
politische Landschaft abzubilden – mit Amtsinhaber*innen, die
ständig wechseln –, nur mithilfe einer globalen Community begegnet
werden kann. Wikidata bietet dafür eine hervorragende Grundlage: Es
enthält bereits eine große Anzahl politischer Ämter und
Politiker*innen und verfügt über eine starke Community.
Zur einfachen Nutzung von PoliLoom arbeiten wir direkt mit dem
Wikidata-Login-System, sodass bestätigte Änderungen unter dem
eigenen Benutzerkonto des jeweiligen Community Mitglieds zu
Wikidata beigetragen werden kann. Anschließend fließen die Daten
aus Wikidata zurück in die zentrale „EveryPolitician“-Datenbank.
Wikidata ist das Rückgrat des gesamten Systems.
Die größten Herausforderungen bei den bestehenden Wikidata-Daten
entstehen aus derselben Eigenschaft, die gleichzeitig eine ihrer
größten Stärken ist: Menschen aus aller Welt tragen zu Wikidata
bei. Dadurch werden Daten manchmal nicht einheitlich
modelliert. Die Art und Weise, wie Entitäten klassifiziert werden –
und sogar Teile des gesamten Klassifikationssystems –, kann sich
verändern. Das macht es anspruchsvoll, ein konsistentes System auf
einer Datenbasis aufzubauen, die sich kontinuierlich
weiterentwickelt.
Mit Blick auf die Zukunft: Seht ihr
ungenutztes Potenzial in Wikidata für weitere Projekte wie
„EveryPolitician“?
Jedes Projekt, das das strukturierte Verständnis von Wissen
verbessern möchte, kann davon profitieren, seinen jeweiligen
Themenbereich in Wikidata abzubilden. Das Wikidata-Datenmodell ist
bereits sehr detailliert, sodass Teams viel Zeit sparen, da sie
ihre Datenstruktur nicht vollständig von Grund auf neu entwickeln
müssen.
Dadurch entsteht bis zu einem gewissen Grad ein wechselseitiger
Effekt: Die eigene Community trägt zur Erweiterung von Wikidata
bei, während die bestehende Wikidata-Community gleichzeitig hilft,
den jeweiligen Fachbereich strukturiert zu modellieren.
Wer sind die wichtigsten Nutzer*innen
von „EveryPolitician“ und wie werden die Daten in der Praxis
verwendet?
Unsere PEP-Daten werden derzeit hauptsächlich von
Compliance-Teams über die OpenSanctions-Datenbank genutzt. Diese
Daten sind zum Beispiel Bestandteil von Prozessen zur
Identifizierung und Prüfung von Kund*innen (Know Your Customer, KYC) sowie
zur Bekämpfung von Geldwäsche (Anti-Money Laundering, kurz: AML)
und spielen eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung und Verhinderung
von Finanzkriminalität und Korruption.
Auch Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und
zivilgesellschaftliche Organisationen zeigen Interesse an diesen
Daten. Wie genau diese Gruppen die Daten nutzen werden, wird sich
im weiteren Verlauf des Projekts noch deutlicher zeigen.
Lizenz: Von OpenSanctions lizenziert unter
CC BY-SA 4.0
Ein Teil
des OpenSanctions-Team, das „EveryPolitician“ jeden Tag besser
macht. Von links nach rechts: Friedrich Lindenberg (Gründer von
OpenSanctions), Julia Vernersson (Chief of Staff bei
OpenSanctions), Frederik Richter (Commercial Director bei
OpenSanctions), Ivan Stavropoltsev (Data Engineer bei
OpenSanctions) und Rita Prates (Operations Manager at
OpenSanctions).
Wenn du dir für die Zukunft des
offenen Daten Ökosystems, insbesondere im Bereich politischer
Daten, etwas wünschen könntest – was wäre das?
Mein Wunsch wäre, dass sich mehr Organisationen an der Aufgabe
beteiligen, politische Amtstragende weltweit zu dokumentieren und
zu erfassen. Das ist eine enorme Herausforderung. Wenn wir aber
verstehen wollen, wer Macht innehat und wie diese Macht ausgeübt
wird, müssen wir gemeinsam daran arbeiten. Wikidata ist dafür die
perfekte Grundlage.
Richard James
Kloster (geboren 1958) ist ein amerikanischer Manager und
seit 2026 Mitglied der unabhängigen staatlichen
Eisenbahn-Regulierungsbehörde Surface Transportation Board.
Das Surface Transportation Board ist zuständig für Eisenbahn-Tarife
und -Service, Umstrukturierungen im Eisenbahnbereich (Mergers,
Streckenverkäufe, Neubaustrecken, Stilllegungen), Lkw- und
Seeschifffahrtstarife. Fernbusverkehre (Unternehmensstrukturen,
Finanzierungs- und Betriebsangelegenheiten) und Tarife für
Pipelines, soweit diese nicht schon durch die Federal Energy
Regulatory Commission reguliert werden.
Leben
Richard J. Kloster besuchte von September 1976 bis Mai 1977 das
William Rainey Harper College in Palatine (Illinois). Danach war er
bis zum August 1980 in der Northern Illinois University in DeKalb
(Illinois) eingeschrieben und erlangte eine Bachelor in
Betriebswirtschaft.
Von Oktober 1980 bis August 1985 arbeitete er bei der Chicago and
Northwestern Transportation Company in verschiedenen
Verwaltungsbereichen. 1986 erlange er an der University of Alabama
seinen Master in Marketing.[1]
Ab August 1986 bis Juni 1987 arbeitete er bei der Chicago Central
and Pacific Railroad als Vizepräsident für Marketing und Verkauf.
Von Juli 1987 bis April 1989 war er bei der Indiana Railroad im
Marketing beschäftigt. Anschließend war er bis Februar 1991 erneut
bei der C&NW im Bereich Lebensmittelproduktion tätig. Von 1991
bis Juli 2007 arbeitete er bei GE Rail Services. Zuletzt war er
dort Direktor für Business and Market Intelligence.
Im Juli 2007 gründete er das Beratungsunternehmens Advanced Rail
Equipment Solutions, Inc. (zunächst unter dem Namen North American
Transport Solutions). In der Funktion als Präsident agierte er dort
bis zum Oktober 2012. Gleichzeitig war er von Januar 2008 bis
November 2019 als Berater bei Freight Transportation Research
Associates, Inc. (FTR) tätig. Von Oktober 2012 bis November 2019
war er Senior Vice President und Chief Commercial Officer beim
Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen Alltranstek.
Seit November 2019 ist er Präsident des von ihm gegründeten
Unternehmens Integrity Rail Partners. Von 2005 bis 2007 und von
2012 bis 2025 war er im Aufsichtsrat des Lobbyunternehmens National
Industrial Transportation League, davon im Zeitraum 2021 bis 2025
als Mitglied des Executive Boards und als Schatzmeister. Von 2019
bis 2021 war im Aufsichtsrat des Beratungs- und Lobbyunternehmens
Railway Supply Institute (RSI).
Am 11. September 2025 wurde er von Präsident Donald Trump für den
Sitz von Martin J. Oberman in der Aufsichts- und
Regulierungsbehörde Surface Transportation Board nominiert. Da bis
zum 3. Januar 2026 keine Bestätigung durch das Senatskomitee
erfolgte, wurde die Nominierung an den Präsidenten zurückverwiesen
und am 13. Januar 2026 erneut an den Senat übermittelt. Am 18. Mai
2026 erhielt er die Bestätigung durch den Senat für eine Amtszeit
bis zum 31. Dezember 2028.
Kloster verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung von
Schienenverkehrsunternehmen. Als Mitglied des Surface
Transportation Board wird er mitentscheiden über die Genehmigung
der Fusion der beiden großen Bahngesellschaften Union Pacific
Corporation und Norfolk Southern Corporation.[2]
Auf der Website Progressive Railroading veröffentlicht er von 2015
bis 2025 regelmäßig Kolumnen zu Entwicklungen im Schienenverkehr
der Vereinigten Staaten.
Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
Weblinks
Stuart Chirls: Trump nominates rail consultant Kloster to STB. In:
FreightWaves. 11. September 2025 (freightwaves.com [abgerufen am
15. Januar 2026]).
Senate Commerce Committee Nominee Questionnaire, 119th Congress
Einzelnachweise
Jul 07, 1987, page 24 – The Indianapolis News at Newspapers.com –
Newspapers.com. Abgerufen am 23. September 2025 (englisch).
Rail News – Kloster confirmed to Surface Transportation Board. For
Railroad Career Professionals. Abgerufen am 27. Mai 2026
(englisch).
Bezahltes Schreiben im PR-Auftrag in der Wikipedia, ist ein
Thema, das mich und die Wikipedia-Community seit einigen Jahren
umtreibt. Das Thema wabert seit etwa 2010 durch die Wikipedia, mal
intensiver und mal weniger intensiv diskutiert; mal mit Skandal und
mal ohne. Aber wenn man sich, ganz ohne Insiderkenntnisse, einfach
mal durch Wikipedia-Artikel lebender Personen clickt (sei es in der
deutschen Ausgabe oder der englischen): normalerweise riecht man
die gekauften und geschönten Artikel 500 Kilobyte gegen den Wind.
Die peinlichen PR-Artikel: weil auch die siebte Teilnahme am
Rettet-die-Bergdackel-Benefiz-Gala-Dinner getreulich unter dem
Punkt „gesellschaftliches Engagement“ gelistet wird. Die weniger
peinlichen PR-Artikel: weil sie so nichtssagend sind.
Wie lange das Problem existiert und wie sehr es schon vor vielen
Jahren auffiel, wurde mir letztens beim lesen gewahr. Es war ein
Fantasy-Crime Roman – komplett fiktiv, mit vagen Bezugspunkten zu
unserer Welt. Und selbst dort kommt Wikipedia-PR-Schreiben vor. Es
geht um „Moon over Soho“ von Ben Aaronovitch. Erstmal erschienen
2012 bringt es der Roman auf den Punkt:
Auf deutsch etwa:
„Die Reichen, vorausgesetzt sie vermeiden Prominenz, können
etwas Unternehmen um ihre Anonymität zu bewahren. Lady Tys
Wikipedia-Artikel las sich als wäre sie von einem PR-Schreiber
verfasst worden, denn zweifellos hatte Lady Ty einen PR-Schreiber
beschäftigt, um sicherzustellen, dass die Seite ihren Vorstellungen
entsprach. Oder wahrscheinlicher: Einer ihrer „Leute“ hatte eine
PR-Agentur beauftragt, die einen Freelancer beschäftigt hatte, der
das in einer halben Stunde runtergeschrieben hatte, damit er sich
schneller wieder auf den Roman konzentrieren konnte, den er grade
schrieb. Der Artikel gab preis, dass Lady Ty verheiratet war, zu
nicht weniger als einem Bauingenieur, dass sie zwei schöne Kinder
hatten von denen der Junge 18 Jahre alt war. Alt genug um Auto zu
fahren aber jung genug um noch zu Hause zu wohnen.“
Diese Beschreibung trifft auch zehn Jahre später auf einen
Großteil aller PR-Artikel zu. Schnell und lieblos, aber
professionell gemacht. Oft genug mit Versatzstücken aus anderen
Werbematerialien; zu unauffällig, um jemand ernstlich zu stören.
Aber auch zu nichtssagend, um der Leser*in auch nur den geringsten
Mehrwert zu bieten.
Damit hat ein Roman-Autor, der selber kein aktives Mitglied der
Wikipedia-Community ist, die PR-Problematik schon im Jahr 2012
richtiger eingeschätzt als ein relevanter Teil der diskutierenden
Community im Jahr 2022.
(Und Randbemerkung: die Community rächte sich, indem sie
Aaronovitchs Autoren-Artikel mit einem unvorteilhaften Autorenfoto
versah – no PR-flack weit und breit war hier unterwegs.)
Von einer anderen Form des beeinflussten Schreibens erfuhr ich
heute beim Mittagsessen. In immer mehr autoritären Regimes scheint
es vorzukommen, dass einzelne Wikipedia-Autor*innen, die in dem
jeweiligen Land leben, einen Anruf oder einen Besuch bekommen. Mit
dem freundlichen Tipp, doch den ein oder anderen Artikel zu
„verbessern“ sonst.. Das ist natürlich noch raffinierter: Einfach
einen etablierten Nutzer und dessen Vertrauensvorschuss nehmen und
in dieser Tarnung PR-Edits durchführen.
Menschen können auf der Wikipedia:Auskunft
Fragen an die Wikipedia richten. Die Fragen sind mal banal, mal
lehrreich, und manchmal hohe Poesie. Daran solltet ihr
teilhaben.
Ich stelle mich auf, Brust nach vorne, Kinn nach oben, räuspere
mich noch einmal und deklamiere:
Wir waren dieses Jahr mit WikiAhoi wieder bei der SMWCon dabei. Die
Konferenz zu Semantic MediaWiki findet zweimal pro Jahr statt, im
Frühling in Nordamerika und im Herbst in Europa. Letztes Jahr waren
wir schon in Wien dabei und dieses Jahr gings ins
herbstlich-sonnige Barcelona. In freundlicher, persönlicher
Atmosphäre wurden technische Neuigkeiten, innovative Projekte und
besondere Anwendungsfälle besprochen. Wir möchten Sie an den
wichtigsten Neuerungen teilhaben lassen.
Neuigkeiten aus der Semantic MediaWiki-Welt
Semantic
Forms (Version 3.4 September 2015) hat sich
mittlerweile als eigenständige Erweiterung etabliert und ist nun
technisch nicht mehr von der Grunderweiterung Semantic MediaWiki
abhängig. Weitere wichtige Änderungen:
Statt den Spezialattributen werden nun ParserFunctions
eingesetzt.
Kartenbasierte Eingabeformate (Google Maps, Open Layers) sind
nun möglich – diese werden nur eingesetzt, wenn Semantic Maps nicht
vorhanden ist.
Weiters wird nun Cargo unterstützt, es
lassen sich in Formularen auch Eingabeformate und die
Autovervollständigungsfunktion aus Cargo nutzen.
Dazu kann man nun auch „mapping“-Werte hinterlegen, das sind
andere Werte, als auf der Seite angezeigt werden.
Ein neuer Parameter erlaubt es, nur einzigartige Werte
speichern zu lassen.
Alle roten Links können nun mit einer einzelnen Einstellung auf
eine Formularauswahlliste weitergeleitet werden.
Die MediaWiki Stakeholder’s
Group nahm die Konferenz zum Anlass, um weitere
Schritte zu besprechen: Ziel der Gruppe ist die Koordination und
die Kommunikation mit Wiki-Nutzern in Unternehmen, die
Unterstützung von Entwicklern und Administratoren und die
offizielle Kommunikation mit der Wikimedia Foundation. Wikipedia hat etwas
andere Ziele als einzelne Drittnutzer der Software MediaWiki. Es
geht also stark darum, die Interessen der Nutzer von Wiki in
Unternehmen zu vertreten und in der Weiterentwicklung der
Software voranzutreiben.
Interessante neue
semantischeErweiterungen
gibt es zu Breadcrumbs, Zitaten, Sprachenlinks und
Metatags:
Semantic Breadcrumb
Links – mittels Attributen können Breadcrumbs erstellt
werden, die eine Hierarchie erzeugen, ohne Unterseiten erstellen zu
müssen.
Semantic Cite – unabhängig
von der Cite
Erweiterung, ermöglicht das seitenübergreifende Verwenden von
Zitaten und eine automatische/manuelle Quellenliste.
Semantic
Interlanguage Links – automatische Sprachanzeigen (gibt es
diese Seite in anderen Sprachen?) in Wikis mit Interwikis.
Und warum „eine Konferenz mit Folgen“? Diese Konferenz hat
Folgen auf mehreren Ebenen: Wir haben persönliche Kontakte für
Zusammenarbeit und Austausch geknüpft, es wurden Ideen
beflügelt und Inspirationen für neue Projekte ausgetauscht,
die Motivation wieder gestärkt, das Projekt MediaWiki als Ganzes
voranzubringen und nicht zuletzt viele Features und
Software-Änderungen besprochen, die in der Regel meist recht
schnell umgesetzt werden. Die Konferenz war somit ein voller
Erfolg.
Die Konferenz fand von 28.–30.10.2015 in Barcelona statt, in der
schönen Fabra
i Coats Kunstfabrik im Stadtteil Sant Andreu. Knappe 40
Teilnehmer nahmen an einem Tutorial- und zwei Konferenztagen
teil.
Die deutschsprachige Wikipedia-Community versucht wieder einmal,
die Regeln zum bezahlten Schreiben zu verschärfen. Das Thema wabert
ungelöst seit Jahren durch das Wikiversum. Und auch dieses
Meinungsbild ist ein notwendiger Schritt voran. Aber der Weg ist
noch weit. Der beste Kommentar meinerseits wäre die Komposition
eines Quartetts für Singende Säge, Bassdrum, Cembalo und
Spottdrossel.
Aber ich kann nicht komponieren. Deshalb kommt das Nächstbeste:
ein Gedicht.
Wikipredia
Die Regeln existieren und doch
nicht nach Mondstand
Die Ethik absolut seit
Anbeginn nein denn ja
Die Praxis gesperrt verworfen
gelöscht freigeschaltet
Wikipredia Darwinismus der
Agenturen Überleben des
Dreistesten
Darmstädter Madonna
Hans Holbein der Jüngere, 1526/1528
Öl auf Nadelholz (?), 146,5 × 102 cm
Sammlung Würth, Johanniterhalle (Schwäbisch Hall)
Wikipedia-KNORKEerwähnte ich ja an
dieser Stelle schon einmal. Berliner Wikipedianerinnen und
Wikipedianer treffen sich und erkunden zusammen eine ihnen
unbekannte Gegend. Soweit so üblich. Diesmal jedoch gab es etwas
besonderes: Auf ins Museum!
In Berlin gastiert gerade die Darmstädter
Madonna, ein 1526 entstandenes Gemälde von Hans Holbeim dem
Jüngeren. Diese Madonna hat eine bewegte Lebens- und
Reisegeschichte, ist eines der bedeutendsten deutschen Gemälde des
16. Jahrhunderts und kann Menschen auch über Jahre faszinieren.
Wunderbar, wenn man eine kundige Bilderklärung der Autorin des
exzellenten Wikipedia-Artikels dazu bekommt.
Wir trafen uns einige Minuten vor der Öffnung in kleiner Gruppe vor
dem Bode-Museum und konnten - da alle Anwesenden über eine
Jahreskarte verfügten - auch sofort zur Madonna und zur
Sonderausstellung "Holbein
in Berlin" begeben. Der Raum war noch leer, die
Museumswachmannschaft ließ freundlicherweise die leise aber
engagiert redende Gruppe gewähren. Ein einziger Saal, in dessen
Mittelpunkt die Madonna hängt. Links davon einige
Holbein-Teppiche, ansonsten weitere Bilder und Zeichnungen von
Holbein, Inspiratoren und andere Madonnen. Nicht überladen,
sinnvoll aufbereitet und mit einem klaren Konzept - eine der
besseren Kunstausstellungen.
Und dann ging es los: Es begann mit Schilderungen von der bewegten
Entstehungszeit zur Zeit des Basler Bildersturms im Auftrag des
Basler Ex-Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen. Die Aussage des
Bildes traditioneller Marienfrömmigkeit in Zeiten der Reformation
war Thema, ebenso natürlich wie der Teppich und seine Falte. Wir
staunten über die Eigentümlichkeit, dass sich niemand auf dem
Gemälde eigentlich anschaut und wurden über dden Unterschied
zwischen Schutzmantelmadonnen und Stifterbildern aufgeklärt.
Vermutungen tauchten auf, wo das Bild wohl im Original hing -
vermutlich in der Martinskirche
als Epitaph - und wir verfolgten gedanklich seine Wanderung aus
Basel über den Grünen Salon im Berliner Stadtschloss bis hin zum
Hause Hessen und das Frankfurter Städelmuseum bis hin zum
spektakulären Verkauf an die Privatsammlung Würth. Die Meinungen
über die Sammlung Würth in der Gruppe waren durchaus geteilt,
ebenso wie die richtige Benennung des Bildes: ist es nun eher die
Darmstädter Madonna oder eher die Madonna des
Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen?
Über die Darmstädter Madonna ging es dann zur Dresdner Madonna und
einem der prägenden Momente deutscher Kunstgeschichte: dem Dresdner
Holbeinstreit. Im 19. Jahrhundert wurde es den Menschen
bewusst, dass es zwei fast identische Holbein-Madonnas gab und nur
eine die echte sein konnte. In einer großen Ausstellung, unter
lebhafter Anteilnahme der Öffentlichkeit und erregten Debatten der
Experten entschieden sich die Kunsthistoriker schließlich für das
Darmstädter Gemälde. Eine Sensation, da die Kunstkennerschaft
vorher felsenhaft von der Originalität des Dresdner Gemäldes
ausging. Hier zeigte sich erstmals das Bemühen, um eine rein
sachlich, objektive Abwägung der verschiedenen Gesichtspunkte - der
Dresdner Holbeinstreit ist einer der Ausgangspunkte um die
Kunstwissenschaft als Wissenschaft zu etablieren. Und - wie sich
später herausstellte - lag die Kunstwissenschaft auch in diesem
ihren Anfangsurteil richtig; sämtliche mittlerweile vorhandenen
naturwissenschaften Verfahren die Darmstädter Madonna als die
originale der beiden bestätigten.
Erkenntnisse am Rande: eine weitere Kopie des Gemäldes
(beziehungsweise eine Kopie der Kopie - es stellt aus
unerfindlichen Gründen das Dresdner Exemplar dar) hat sich in das
Set des James-Bond-Filmes "Man lebt nur zweimal verirrt".
Hans Holbein der Jüngere:
Bildnis des Danziger Hansekaufmanns Georg Gisze in London, 1532.
Eichenholz, 96,3 × 85,7 cm. Gemäldegalerie Dahlem der Staatlichen
Museen zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz
Und nachdem wir dann auch noch gerätselt hatten, wer die beiden
Knaben unterhalb der Madonna sind, den verschwundenen Haaren der
Tochter nachspürten und weiter über den Teppich in der
Renaissancemalerei sinniert hatten, kamen wir dann nach knapp einer
Stunde noch zu Georg Giesze. Giesze (auch Georg Giese) ist
Titelheld in einem anderen Holein-Hauptwerk, das praktischerweise
fünf Meter weiter links hing. Wieder mit Teppich und nun auch noch
mit Glas, Metall, Bücherregalen und Briefen. Gedanklich begleitete
wir Holbein dann weiter von Basel nach Antwerpen und London.
Mittlerweile hatte sich der Raum etwas gefüllt. Nachdem wir dann
noch den Weg aus dem Museum gefunden hatte (wie immer im Bodemuseum
nicht ganz einfach und jedes mal findet man zwischendurch neue
Säle) folgte noch ein erschöpfter Abschlusskaffee.
Eine Stunde fast allein mit der Madonna. Und immer noch Neues zu
entdecken.
Über den Dächern, Türmen und Gasometern Westberlins senkte sich
die Abendsonne. Ich stand auf den Zinnen des Ullstein Castles und
sinnierte. Direkt unter mir Straßentreiben, Sirenen, betrunkene
Jugendliche, ein Ausflugsboot auf dem Teltowkanal, radelnde
Ausflügler überquerten die Stubenrauchbrücke.
In der Ferne betrachtete ich die Türme des
Spitzenlastheizkraftwerks Lichterfelde, der Sendeturm auf der
Marienhöhe, den BfA-Büroturm und den ehemaligen Wasserturm im
Naturpark Schöneberger Südgelände. Heute Nacht auf dem Heinweg:
Welchen Weg sollte ich wählen? Unten, im Süden, über den Prellerweg
vorbei am Sommerbad am Insulaner? Die Nordvariante über den
Tempelhofer Damm und durch die Kopfsteinpflaster Tempelhofs? Oder
die Mittelweg, mit Erklimmen der Höhe am Attilaplatz und später
über den Ikea-Parkplatz? So viel zu wählen.
Wahlen spukten in meinem Kopf herum. Da war die
Mitgliedsversammlung unseres Dauergartenvereins. Die
Vorstandswahlen dort sollten wahrscheinlich, hoffentlich,
unspektakulär verloren. Aber die Anträge. Wenn ein einzelnes
Mitglied auf einem A4-Blatt 40 verschiedene Anträge stellt, richtig
ernsthaft, dann verspricht das Unterhaltung.
Die Bundestagswahl: Auf dem Weg zum Ullstein Castle passierte
ich zahlreiche Bundestagstagswahlplakate: den unlesbaren Blob der
Grünen in Tarnfarbenoliv, die bildhaft dargestellte Biederkeit der
Berliner SPD, zahlreiche Kleinparteien von Team Tödenhöfer über
Volt bis zur Tierschutzpartei. Und so sehr es mich schmerzte das zu
sagen: Das Plakatgame gewannen bisher die CDU und ihr
Wahlkreiskandidat Jan-Marco Luczak. Sowohl optisch – als auch
damit, überhaupt inhaltliche Aussagen fern von Plattitüden zu
machen.
Vor allem aber war ich innerlich bei einer ganz anderen Wahl.
Die Wikimedia Foundation wählte und wählt ihr Board, auf Deutsch
das ehrenamtliche Präsidium der Wikimedia Stiftung. Die Wikipedia
steht meinem Herzen näher als der Bundestag und selbst als der
Dauergartenverein. Aber die Board-Wahlen erfordern merh Gedanken.
Diese Gedanken bedurften des Kontextes.
Was ist die Wikimedia Foundation?
Die Wikimedia
Foundation (WMF) ist die Betreiberin der Wikimedia-Projekte wie
zum Beispiel der Wikipedia aber auch Wikimedia Commons und
Wikidata. Die Foundation hostet die Server, stellt die Technik,
ist am Ende rechtlich dafür verantwortlich was in den Wikipedien
passiert. Dafür hat die Foundation derzeit etwa 450 Angestellte,
ein Endowment von 90
Millionen Dollar und hatte 2020 Jahreseinnahmen von 127 Millionen
US-Dollar.
Wo genau die Grenzen zwischen dem Einfluss der Wikimedia
Foundation und den Communities liegen, ist umstritten. Letztlich
kann die Foundation alles ändern und machen in den Projekten. Sie
ist meistens weise genug, es nicht zu tun. Insbesondere schreiben
keine Foundation-Mitarbeiter*innen in ihrer Arbeitszeit Artikel
oder legen Inhalte in den Projekten an.
Die Foundation ist eine Organisation eigener selbstgenügsamer
Vollkommenheit. Sie hat keine Mitglieder und ist – rechtlich –
niemand rechenschaftspflichtig. Das Board besetzt sich prinzipiell
aus sich selbst heraus. Es hat entschieden die Hälfte der Sitze
Wahlen der weltweiten Wikip/media-Communities besetzen zu lassen zu
lassen.
Das Board of Trustees ist das
ehrenamtliche Aufsichtsgremium der Foundation. Es hat derzeit 16
Sitze. Davon steht einer Jimmy Wales als Gründer zu, sieben Sitze
besetzt das Board selber, acht Sitze werden durch eine weltweite
Communitywahl bestimmt.
Nun ist allein aus den Worten „ehrenamtlich“ und „weltweit / 450
Mitarbeiter / 127 Millionen Dollar Einnahmen“ klar, dass das Board
eine abstrakte Leitungsposition einnimmt. Alleine, einen Überblick
über so eine Organisation zu behalten, ist eine Mammutaufgabe.
Dieser Organisation noch Vorgaben zu machen und sie in eine
bestimmte Richtung zu lenken, eine Herausforderung.
Die Gefahr, in Detailinformationen zu ertrinken oder sich
hoffnungslos im Alltagsgeschäft zu verfangen, ist groß. Seiner
Aufgabe nach, beaufsichtigt das Board, was die Vollzeitkräfte
machen und besetzt die Geschäftsführung.
Was zur Zeit ein besonderer Job ist: Die Geschäftsführerin der
Foundation Catherine Maher verschwand im April 2021 überraschend.
Der Posten ist seitdem unbesetzt. Ebenso wie sich die Chief
Operations Officer im Jahr 2021 verabschiedete, die Abteilungen
Communication und Technology auch niemand im Vorstand haben. Auf
dem Schiff besetzt nur eine Notbesatzung an Offizier*innen die
Brücke. Dem Board obliegt es derzeit, dieses Führungsvakuum schnell
und kompetent zu beenden.
Grundsätzlich sollte jede*r Kandidat*in zwei Kriterien
erfüllen. Sie sollte meine inhaltlichen Ziele teilen. Und sie
sollte in der Lage sein, sich in einem ehrenamtlichen Job gegen
eine komplette Organisation aus Vollzeitangestellten zu behaupten.
Oft genug stehen bei solch ehrenamtlichen Gremien Kandidat*nnen zur
Wahl, bei denen ich denke „Will Schlechtes, aber wird das
erreichen“ und „Will Gutes, ist aber planlos. Am Ende werden die
Hauptberuflichen machen was sie wollen. Oder es gibt Chaos.“
Angesichts der bewegten Zeiten, in denen wir leben; angesichts
der latenten Führungslosigkeit der Foundation derzeit, möchte ich
Kandidat*innen, die sich durchsetzen können. Kandidat*innen, die
nach Möglichkeit die US-Zentrik der Foundation aufbrechen können.
Ich möchte Kandidat*innen, die verstehen, dass Wikip/media keine
allgemeine Weltbeglückungsorganisation ist, sondern sehr
spezifische Sachen sehr gut durchführt – und andere überhaupt nicht
kann. Es bringt nichts, sich auf allgemeine Weltbeglückungsziele zu
stürzen, die weder die Foundation noch die Communities umsetzen
können.
Insgesamt stehen 19 Kandidat*innen zur Auswahl, die um vier
Plätze streiten. Dabei sind Wikimedia-Urgesteine ebenso wie
Newbies, viele Männer, mir auffallend viele Inder, viele
Kandidat*innen mit NGO-Hintergrund, kaum eine*r, der/die
fortgeschrittene IT-Kenntnisse hat.
Die Urgesteine
Dariusz
Jemielniak – Professor of Management,
daueraktiv auf allen Ebenen und vielleicht der einzige Mensch, der
intellektuell versteht wie Wikipedia funktioniert.
Rosie
Stephenson-Goodknight – WikiWomensGroup, Women
in red, you name it. Bei überraschend vielen der
Wikipmedia-Genderaktivitäten, die funktionieren, ist Rosie
Stephenson-Goodknight beteiligt.
Gerard Meijssen – gefühlt
war Gerard schon Wikipedianer bevor es Wikipedia gab. Vielleicht
der spannendste Autor des Meta-Wikiversums und ein Chaot.
Mike Peel – langjähriges
Mitglied des Funds Dissemantion Committees. (FDC) Hat bei mir in
der Rolle durchgehend einen schlechten Eindruck hinterlassen.
Ravishankar Ayyakkannu – Mr.
Tamil Wikipedia, der seinem Resumee zufolge seit 2005 in der
Community und mit externen Partnern (wie Wikipedia Zero, Google)
zusammenarbeitete. Gewinnt bei mir Diversitätspunkte, weil er nicht
nur aus dem Global South stammt, sondern auch Ausbildung und
Berufstätigkeit dort durchführte.
Lorenzo Losa –
Ex-Vorsitzender von Wikimedia Italia.
Farah Jack Mustaklem – Software Engineer,
einer der wenigen Kandidaten mit Ahnung von Software. Aktiv bei den
Wikimedians of the Levant und der Arabic language User Group. Mir
persönlich zu sehr USA-sozialisiert für eine Board-Mitgliedschaft,
andererseits sicher in jeder Hinsicht kompetent.
Douglas Ian Scott –
Präsident von Wikimedia South Africa, Organisator der Wikimania
2018 und einziger Kandidat, den ich dank eines langen Wartepause am
Kofferband irgendeines Wikimania-Flughafens persönlich besser
kennenlernte – und begeistert war.
Iván Martínez – langjährig
engagiert bei Wikimedia Mexiko, LGBTQ+-Aktivist und soweit ich
hörte, das Wikiversum Lateinamerika ist begeistert von ihm.
Pavan Santhosh Surampudi –
Community Manager at Quora. Versteht also vermutlich professionell
etwas von Communities.
Adam Wight – Programmierer,
Ex-Angestellter und WMF und WMDE und neben Gerard der Vertreter des
Ur-basisdemokratischen, selbstorganisierten und
Gegen-Informationsmonopole-Geistes des frühen Movements.
Vinicius Siqueira – in Wiki
Movimento Brasil
Newbies
Es kann sich hierbei um langjährige und erfahrene
Wikipedianer*innen handeln, die im kleinen Rahmen auch Projekte
oder Gruppen organisiert haben. Erfahrungen in oder mit größeren
Organisationen im Wikiversum fehlt vollkommen.
Lionel Scheepmans
Pascale Camus-Walter
Raavi Mohanty
Victoria Doronina
Eliane Dominique Yao
Ashwin Baindur
Wen werde ich wählen?
Leute, die sich durchsetzen können, und die auch die Grenzen des
Wikiversums sinnvoll einschätzen können. Perspektiven auf das
Leben, anders aussehen als „in US-NGOs sozialisiert“ werden
bevorzugt.
Die Top 4
Douglas Ian Scott
Iván Martínez
Adam Wight
Dariusz Jemielniak
Top 8
Rosie Stephenson-Goodknight
Lorenzo Losa
Farah Jack Mustaklem
Gerard Meijssen
Wählbar
Reda Kerbouche
Pavan Santhosh Surampudi
Ravishankar Ayyakkannu
Wer wird wählen
Es wählen alle Menschen, die vage aktive Accounts in einem
Wikimedia-Projekt haben. Die Bedingungen dafür sind niedrig
angesetzt. Für Autor*innen ist es nötig 300 Bearbeitungen zu haben,
kein Bot zu sein und höchstens in einem Projekt gesperrt zu sein.
Die Bedingungen für die Board-Wahlen sind somit einfacher zu
erfüllen als die Bedingungen zum Sichten in der deutschen
Wikipedia. Die Kriterien mussten am 5. Juli 2021 erfüllt sein. Es
hilft nicht, jetzt noch schnell zu editieren.
Das Wahlsystem
Es gilt das Präferenzwahlsystem.
Dieses wird weltweit von einschlägigen Fachleuten als besonders
fair bezeichnet. Es verzerrt den Wählerwillen weniger als viele
andere Wahlsysteme. Praktisch wird es allerdings nur selten
eingesetzt. Die bekannteste Wahl mit Präferenzwahl in letzter Zeit
war die Bürgermeister*in-Wahl in New York, New York.
Bei Wahlsystem nummeriert man „seine“ Kandidat*nnen nach
Präferenzen. Die beste Kandidatin bekommt eine Eins, der Kandidat
danach eine zwei und so weiter. Hält man keine Kandidatin mehr für
geeignet, hört man auf zu nummerieren.
Bei der Wahl werden in der ersten Runde alle Präferenzen mit „1“
gezählt. Ein Kandidat hat am wenigsten davon. Dieser scheidet aus.
Von allen „1“-Wählerinnen des Kandidaten werden nun die
„2“-Präferenzen seiner Wählerinnen auf die entsprechenden
weiteren Kandidaten verteilt. Und so weiter, bis nur noch so viele
Kandidatinnen übrig sind, wie es Plätze zu besetzen gilt.
Im ICE ist Deutschland. Der Zug fährt ein und hält. Das Schild am
Gleis behauptet tapfer „Zugdurchfahrt“. Die Türen lassen sich
öffnen. Am Zug steht nichts geschrieben, außer Wagennummern, die
nicht zu den Reservierungen passen. Das Publikum bleibt irritiert.
Etwa die Hälfte der Anwesenden geht in den Zug und bleibt im
Wageninnern ratlos stehen. Die andere Hälfte steht ratlos am
Bahnsteig.
Schließlich: Lichter gehen an. Der Zug verkündet mittels seiner
Anzeigen nun auch, nach Kassel zu fahren. Eine Frau
entschuldigt sich über die Lautsprecheranlage über die falschen
Wagennummern, man solle ich immer zehn wegdenken „Also 22 statt der
angezeigten 32.“
Ein Mensch mit re:publica-Bändchen am Arm verscheucht die ältere
Dame ohne Reservierung von seinem Platz und liest den gedruckten
Spiegel. Ich höre ein angeregtes Gespräch zwischen einem
Musicaldarsteller und einer Abteilungsleiterin im Innenministerium,
die sich gerade kennenlernen über, den relativen Wert von
Musikgymnasien in Berlin. Geht es noch deutscher?
Illustration aus
dem Buch ""Le tour du monde en quatre-vingts jours" Alphonse de
Neuville & Léon Benett
Passenderweise habe ich ein entsprechendes Buch mitgenommen. Nils
Minkmars „Mit dem Kopf durch die Welt.“ Das hat schon auf dem Cover
ein ICE-Fenster und geht der Frage nach, was Deutschland bewegt.
Minkmar lässt sich über deutsche Normalität aus. Der deutsche
Ingenieur, lange Jahrzehnte Sinnbild der Normalität, sei nicht mehr
normal. Minkmar erzählt aus seiner französisch-deutschen
Kindheit:
„Meine Mutter nannte dann immer eine
Berufsgruppe, die uns besonders fern war, nämlich les
ingenieurs. Wir waren in Deutschland […] und das ganze frisch
aufgebaute Land ruhte auf Säulen, die les ingenieurs
berechnet, gegossen und zum Schluss noch festgedübelt hatten. […]
Viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben, diese seltene
Spezies besser studieren zu können. Sie saßen direkt hinter mir,
zwei ausgewachsene Exemplare: Ingenieure, Familienväter, auf der
Rückfahrt von einer Dienstreise. Sie plauderten über die sich
verändernden Zeiten. […] Fernsehen, Marken, Politiker, auf keinem
Gebiet fanden sich diese beiden braven Männer wieder, alles zu
grell und bunt, zu aufgeregt. Ihre spezifischen Werte und Tugenden,
Sorgfalt und diese stille Freude an der eigenen Biederkeit, das
alles war an den Rand gerückt. Ingenieure waren nun Exzentriker.
[…] Diese Männer fanden sich kulturell kaum zurecht.“
Wenn „der deutsche Ingenieur“ nicht mehr normal in Deutschland ist,
sind es jetzt Ministerialbeamtinnen und Musicaldarsteller?
Forschung Maschinenbau Braunschweig
Minkmar war noch nicht in Braunschweig. Oder Braunschweig ist nicht
normal. Da steige ich harmlos aus dem Zug und die Stadt schlägt mir
„Deutscher Ingenieur“ rechts und links um die Ohren. Braunschweig
hebt das Thema "autogerechte Stadt" in Höhen, die selbst mir als
gebürtigem Hannoveraner unerreichbar schienen.
Braunschweig.
Bahnhofsvorplatz.
VW ist daran beteiligt, ist klar in der Gegend. Aber nicht nur. Ich
wandelte also Freitagabend gegen 21 Uhr auf der Suche nach einem
Wegbier durch das verlassene Braunschweig, passierte die Stadthalle
und wurde prompt begrüßt mit „Tag des Maschinenbaus. Herzlich
Willkommen.“
Vor allem aber fiel mir bei diesem Wandeln auf, wie
unglaublich gepflegt diese Stadt aussieht. Ich erblickte
keine einzige Kippe auf dem Weg. Selbst die Großbaustelle, über die
irrte, wirkte irgendwie aufgeräumt. Viel verwunderlicher war, dass
selbst die in Braunschweig reichlich vorhandenen 1970er-Großbauten
gepflegt und sorgsam hergerichtet wirkten. Die Stadthalle selber,
offensichtlicher spät 1960er/früh 1970er-Stil wirkte besser
gepflegt als Berliner Gebäude nach zwei Jahren. Die Wege und Lampen
darum herum: offensichtlich keine zehn Jahre alt. Sie wirkten wie
frisch aus der Packung genommen.
Wegbier. In
Braunschweig nur schwerlich aufzutreiben, dann aber
stilgerecht,
Selbst die Schwimmbäder sind alle gepflegt(*), alle haben
gleichzeitig geöffnet und keines ist aus obskuren Gründen gesperrt.
Da spielt nicht nur bürgerschaftliches Engagement eine Rolle,
sondern offensichtlich ist auch Geld vorhanden.
Auf dem Hotelzimmer, noch so ein sehr gut gepflegter und
hergerichteter Bau, der einem „1970er!“ ästhetisch schon ins
Gesicht schreit, mit dem Hotel-Wlan (7 Tage, 7 Geräte) nachlesend,
wie das nun ist mit Braunschweig. Bekanntes taucht beim Nachlesen
auf: Die physikalische-technische Bundesanstalt mit der Atomuhr;
geahntes lese ich (Volkswagen – hey, das ist Niedersachsen und die
Technische Universität existiert ja auch) und nicht bekanntes:
„Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum
(EWR) verfügt die Region Braunschweig über die höchste
Wissenschaftlerdichte,[103] im bundesweiten Vergleich über eine
hohe Ingenieurquote[104] sowie über die höchste Intensität auf dem
Gebiet der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Region
Braunschweig arbeiten und forschen mehr als 16.000 Menschen aus
über 80 Ländern[105] in 27 Forschungseinrichtungen sowie 20.000
Beschäftigte in 250 Unternehmen der
Hochtechnologie[106]“
Dazu noch „Braunschweig ist die Stadt mit der niedrigsten
Verschuldung Deutschlands.“ Und nach einer obskuren EU-Rangliste
ist Braunschweig die innovationsfreudigste Region der EU vor
Westschweden und Stuttgart. Hier lebt der deutsche Ingenieur. Hier
lebt die deutsche Technik. Was für ein passender Ort für Jules
Verne.
Jules Verne
Jules Verne; französischer Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts und
vor allem bekannt als "Vater der Science Fiction." Von seinem
vielfältigen Werk sind vor allem die Abenteuer-Techno-Knaller wie
Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer, die Reise Von der
Erde zum Mond oder die Reise zum Mittelpunkt der Erde
bekannt. Wikipedia und die Deutsche Jules-Verne-Gesellschaft hatten
ein gemeinsames Wochenende organisiert mit einer Tagung zu Jules
Verne und Gesprächen zu Wikipedia.
Volker Dehs
bestreitet das halbe Programm
Jules Verne, mir vor allem bekannt durch vage Erinnerungen an den
1954er Nemo-Film, Weiß-orange Taschenbücher und einen blau
eingebunden Robur-Roman, der mich verstörte, weil er so anders war
als die großen mir bekannten Abenteuerromane von Jules Verne. Warum
ich überhaupt fuhr: Intuition. Ich hätte nur schwerlich begründen
können, was genau mich reizte, aber die Mischung aus Vertrauen in
die Veranstalter, Science Fiction und Neugier auf diese andere
niedersächsische Stadt nach Hannover, trieben mich dorthin.
Verne selber gilt als Begründer Science Fiction. Und so bringt er
als Autor frankophile Literaten und Groschenromanfans, Ingenieure
und Naturwissenschaftler zusammen. Besessene Bibliographen waren
Thema und Anwesend, ebenso wie die phantastische Bibliothek in
Wetzlar – die Mischung der Jules-Verne-Aktiven unterscheidet sich
gar nicht so sehr von der Mischung der Wikipedia-Aktiven. Die
Perspektiven, aus denen Verne hier unter die Lupe genommen wurden,
waren vielgestaltiger als sie es in der Literatur sonst sind.
Faszinierend hier war die Neigung unterschiedlicher und leicht
besessener Menschen sich zu einem Thema auseinanderzusetzen.
Haus der
Braunschweigischen Stiftungen - Veranstaltungsort.
Dementsprechend hatte der Veranstalter, der Wikipedia-Autor
Brunswyk das Programm gestaltet: ist Verne eher katholisch oder
eher laizistisch? Kam der Wille zur Aufklärung in seinen Büchern
durch seinen Verleger Pierre-Jules Hetzel hinein, während auf Verne
eher zurückgeht, dass alles menschliche Streben gegenüber der
göttlichen Macht sinnlos bleibt? Wen inspirierte er? Ist es eine
sinnvolle Frage, dem nachzugehen, welche seiner Voraussagen, sich
bewahrheiten? Dazu kamen dann noch Exkursionen zu Friedrich
Gerstäcker, Fenimore Cooper, die Ingenieure, die ihre U-Boote dann
nach Jules Verne „Nautilus“ nannten – und stark von diesem
beeinflusst waren
Für mich brachte das Treffen interessante Erkenntnisse, wie die
Tatsache, dass Verne immer Theaterautor oder – produzent werden
wollte und wie sehr der Katholizismus sein Denken beeinflusste.
Romancier war er eher gezwungenermaßen – und verdiente mit seinen
zwei erfolgreichen Theaterstücken in seinem Leben ein Viertel so
viel Geld wie mit etwa 80 bis 100 Romanen.
Interessant das Rätseln aller Anwesenden, warum Vernes Roman "der
Grüne Strahl" so ein kommerzieller Erfolg war, was niemand der
Anwesenden nachvollziehen konnte. Und dann eine Dreiviertelstunde
später kam die Bemerkung in einem anderen Zusammenhang,
dass "der Grüne Strahl" quasi Vernes einziges Buch mit einer
weiblichen Hauptfigur war. Ich ahne einen Zusammenhang,Update: Es kam wie es kommen musst. Da denke ich mal, ich
habe etwas entdeckt, dabei habe ich nur etwas falsch verstanden.
Tatsächlich ist Der Grüne Strahl nicht das einzige Werk mit einer
Protagonistin. Das prägnanteste Buch ist dabei Mistress Branican*, da hier die Titelfigur
die komplette Handlung quasi im Alleingang bestreitet. Aber auch in
anderen Büchern spielen Frauen eine wichtige Rolle (und dieser
Umstand war Jules Verne sogar so wichtig, dass er in Interviews
darauf hinwies): Die Kinder des Kapitän Grant*, Nord gegen Süd*, Reise um die Erde in 80 Tagen*, Ein Lotterielos* ... und einige mehr.
(*Affiliate Links)
Für mich neu war die Erkenntnis, dass ein Großteil von Vernes Werk
gar nicht in den Bereich Science Fiction gehört, sondern es
(fiktive) Reisebeschreibungen sind. Und selbst dort wo Verne
Maschinen und phantastische Gerätschaften erfindet, dienen diese
vor allem dem Zweck zu reisen.
Und jetzt recherchiere ich, natürlich, zum Grünen Strahl.
Die Phantastische Bibliothek
Meine beiden Programmhighlights beschäftigten sich nur mittelbar
mit Jules Verne. Sie kamen von der Phantastischen Bibliothek
Wetzlar: zum einen der Rückblick von Thomas Le Blanc auf Wolfgang
Thadewald. Den großen Phantastik- und Jules-Verne-Sammler.
Thadewald verstarb 2014. Er
lebte in Langenhagen. Mehrere der Anwesenden hatten ihn noch
persönlich gekannt. Und die Schilderung seiner Sammlertätigkeit,
seiner Liebe zu Büchern und zu Menschen, aber auch die Besessenheit
mit der Thadewald an ein Thema heranging und auch von Krankheit
schon schwer gekennzeichnet das Arbeiten an Bibliographien nicht
lassen konnte – es ließ sich nicht anders beschreiben als bewegend.
Sicher war dieser Vortrag mein emotionaler Vortrag des
Programms.
Wer auch immer aber auf die Idee kam, den Vortrag von Klaudia
Seibel zu Future Life: Wie (nicht nur) Jules Verne dabei
hilft, die Zukunft zu gestalten an Ende der Konferenz zu legen:
Chapeau! Das Projekt ist, kurz gesagt, ein Projekt der
Phantastischen Bibliothek. Die stellt zu bestimmten Themen Dossiers
zusammen, wie Science-Fiction-Autoren sie sich vorstellen. Die
Berichte werden manchmal von öffentlichen Stellen, öfter von
Großunternehmen bestellt, die damit selber zukunftsfähig werden
wollen und in die Zukunft denken.
Wobei Auftraggeber von Staats wegen selten sind. Die meisten
Aufträge kommen aus der Privatwirtschaft. Die allerdings meist
gleich umfangreiche Verschwiegenheitsklauseln verlangt, weshalb die
Phantastische Bibliothek da wenig zu sagen kann.
Da haben also Autoren und Mitarbeiter der Bibliothek ein profundes
Wissen über die Science-Fiction-Literatur und die größte Bibliothek
ihrer Art im Hintergrund und seit mittlerweile einigen Jahren eine
große Datenbank aufgebaut, was Autoren zu verschiedenen Themen
schreiben.
Als jemand, der ich selbst weiß, wie viele Situationen ich durch
gelesene Bücher interpretiere – Bilder aus diesen Büchern im
Hinterkopf habe und mir immer wieder mal sagen muss, dass ein Roman
nur bedingt real ist, glaube ich sofort, dass es nichts gibt, was
so sehr Denkprozesse auslösen und Kreativität triggern kann, wie
Romane. Der befreit das Hirn gerade vom strikt
logisch-folgerichtigen Denken, verrückt die Perspektive etwas nach
links oder oben, und schon öffnen sich vollkommen neue
Gedankenwege. Die Idee ist so brillant, dass es überraschend ist,
dass sie wirklich angenommen wird. Anscheinend wird sie das.
Mensch Maschine Normal
Und nachdem ich dann wieder im Zug saß und das erste Handy-Ticket
meines Lebens gekauft hatte, fragte ich mich wieder. Ist diese
Stadt – die mir in vieler Hinsicht – so unfassbar „normal“
vorkommt, vielleicht die große Ausnahme? Sind die
Musicaldarsteller, die mit „dem Alex“ [Alexander Klaws]
telefonieren, normal? Die Menschen im Ministerium? Die größten
Jules-Verne-Experten des Landes, die alle noch einen anderen
Brotjob haben? Oder eher die Normalität vieler Menschen, die darin
besteht, am Ende des Monats zu überlegen, wie denn die letzten 10
Tage mit dem leeren Konto noch überbrückt werden können?
Brauschweig ist die verstädterte Mensch-Maschine-Kopplung. In
seiner Normalität sicher schon wieder ein Ausnahmefall in
Deutschland. Aber ich sah die Zukunft: sie sitzt in einer
Bibliothek in Wetzlar und liest Science-Fiction-Romane.
Auch zu Schwimmbädern ein schönes Minkmar-Zitat aus dem
Mit-dem-Kopf-durch-die-Welt.Buch:
„Nichts gegen das große Geld und die
wenigen, die es genießen können, aber die Stärke mitteleuropäischer
Gesellschaften liegt gerade in der Mischung. Für Reiche ist es in
Singapur, Russland und Malaysia ideal. […]Glaspaläste und Shopping
Malls gibt es auf der ganzen Welt, bald vermutlich auch unter
Wasser und auf dem Mond. Öffentliche Freibäder, Stadtteilfeste oder
Fußgängerzonen, in denen sich Reiche und Arme, Helle und Dunkle,
Christen und Muslime mit ihren Kindern vergnügen und drängeln, gibt
es nur hier. Ich fand es immer erstaunlich, dass es in Algerien
beispielsweise keine öffentlichen Schwimmbäder gibt oder dass man
in den USA oder in Brasilien Mitglied in einem Club werden muss.
Das ist eine teure und in vieler Hinsicht sozial sehr
voraussetzungsreiche Angelegenheit, nur um mit den Kindern mal
schwimmen zu gehen, es sei denn natürlich, jeder hat seinen eigenen
Pool im Garten, was, für mich zumindest, wie eine Definition von
struktureller Langeweile klingt.“ (s. 104)
*Dieser Post enthält Affiliate Links zu geniallokal. Es
handelt sich dabei um Werbung. Ich bekomme eine kleine Provision,
wenn ihr dort bestellt, und ihr habt bei den Guten
bestellt.
I still remember the time when real life meetings for
Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one
really want to meet these strange other people from the Internet?
How would they be? Could they even talk in real life or would they
just sit behind a laptop screen staring on it for hours?
My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in
Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!)
sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen.
These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and
personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the
movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice
evening.
So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the
old school way. Half improvised, organized by our dearest local
troll user:Schlesinger
on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come
and what would happen except some people having a good time.
And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg
seven people promised to come, in the end we were almost twenty.
Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian
active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a
half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia
Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we
just talked and laughed, talked about history and future.
Actually, mostly we talked about future.
About the Wikipedian above 30, who has just started a new a
university degree in archaeology, the question whether the Berlin
community should have its own independent space, industrial beer,
craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the
temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending
machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the
future, who should come to the open editing events, how to work
better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there,
looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather
not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia
to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.
No frustration, almost no talk about meta and politics, just
Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be
active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old
school. So good.
Crossposting eines Posts von mir aus demWikipedia
Kurier. Erfahrungsgemäß lesen das dort und hier ja doch andere
Menschen.
Wikipedistas kommen und gehen. Manchmal gehen mehr, manchmal
weniger. Einzelne davon fallen durch ihr Wirken in der gesamten
Wikipedia auf oder versuchen sich wenigstens durch einen
spektakulären Abgang in Szene zu setzen. Die meisten Autoren und
Autorinnen aber gehen genauso still und leise wie sie gekommen sind
und gearbeitet haben.
Die unseligen Autorenschwund-Debatten der unseligen Wikimedias
kümmern sich ja um Zahlen und nicht um Autorinnen und Autoren. Wie
armselig! Den Meta-aktiven Communitymitgliedern - aka Wikifanten -
fallen vor allem die anderen Wikifanten auf, die entschwanden.
Dabei zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass es um lauter
einzelne Individuen mit verschiedenen Vorlieben, Arbeitsstilen und
Interessen geht, die in Wikipedia tätig waren und sind. Es gibt vor
allem diejenigen, die kommen, einen Beitrag leisten und dann wieder
verschwinden. Der größte Teil der tatsächlichen Wikipedia wird von
Menschen und Accounts gestaltet, deren Edits fast nur im
Artikelnamensraum aufzufinden sind. Manchmal arbeiten sie
unermütlich über viele Jahre, manchmal auch nur einige Wochen an
einen oder zwei Artikeln. Viele davon sind als IP aktiv, so dass
sich fast nichts über sie sagen lässt. Vielleicht sind die
Beitragenden per IP auch gar nicht viele, sondern eine einzige sehr
fleißige Autorin? Wer weiß?
Viele Wikipedianerinnen und
Wikipedianer sind derzeit inaktiv.
Anlässlich des Projektes
WikiWedding und in meinem Bestreben möglichst viele
Wedding-Aktive daran zu beteiligen, lese ich ja derzeit viele
Artikel zu einem Themengebiet, das mir in den letzten Jahren eher
fremd war und an dessen Entstehung ich nicht beteiligt war. Wer
sich in den letzten Monaten am Thema beteiligt hat, ist mir
bewusst, wer sich von 2001 bis 2014 des Weddings angenommen hat,
musste ich nachlesen. Eine spannende Lektüre voller mir unbekannter
Namen und Accounts. Neben einigen mir bekannten Wikipedistas waren
dort vor allem mir unbekannte Accounts. Accounts, die oft aufgehört
haben zu editieren. Meist sind sie still und leise gegangen. Ihre
Edits und Kommentare geben keinen Hinweis warum. Aber anscheinend
war es anderswo schöner. Oder sie hatten den Einruck, alles in
Wikipedia geschrieben zu haben, was sie beitragen wollten. Um
diesen Autorinnen und Autoren zumindest nachträglich etwas
Aufmerksamkeit zu geben, um ihre Namen kurz aus den Tiefen der
Versionsgeschichten zu retten, sollen hier einfach einige
Autorinnen(?) und Autoren gewürdigt werden, die sich um den Wedding
in Wikpedia bemühten bevor sie verschwanden.
Da ist zum Beispiel der Artikel zur Chausseestraße.
Ein Mammutwerk von Gtelloke,
dessen Wikipedia-Edits sich von Juni bis Dezember 2012 fast
ausschließlich auf diesen Artikel beschränkten.
Bild: Die Chausseestraße 114-118 in Richtung
Invalidenstraße von Gtelloke
Da ist der Artikel zum Wedding selber.
Angelegt 2002 von Otto, dessen
letzter Edit aus dem Dezember 2004 stammt. Im November 2004 dann
maßgeblich ausgebaut von Nauck, der sich
auch sonst dem Ortsteil und seinen Themen widmete. Artikel zu
Moabit, den Meyerschen Höfen, Mietskasernen und Schlafgängern waren
Teil seines kurzen Werks, das im Wesentlichen nur zwei Wochen im
November 2004 dauerte, aber die Grundlagen wichtiger Artikel zur
Berliner Sozialgeschichte legte. Ein Blick auf seine Benutzerseite
zeigt auch den Geist der Wikipedia-Frühzeit: ''GNU rockt! Der König
ist tod, lang lebe das Volk! Lang lebe die Anarchie des Netzes!
Licht und Liebe''
Weiterer Ausbau erfolgte durch 87.123.84.64,
auch zu wikipedianischen Urzeiten. Dann passierte 500 Edits und
acht Jahre im Wesentlichen nichts – mal ein Halbsatz hier, mal die
Hinzufügung von drei Bahnstrecken dort, Hinzufügen und Löschen von
berühmten Persönlichkeiten bis im Dezember 2014 der erste heute
noch aktive Wikipedianer hinzukommt: Fridolin
freudenfett verpasst dem Artikel mit „Katastrophalen Artikel
etwas verbessert)“ eine Generalüberholung.
Der Leopoldplatz;
angelegt von Frerix, der in
den immerhin fünf Jahren seiner Wikipedia-Aktivität nie auch nur
eine Benutzerseite für nötig hielt und anscheinend auch in keine
Diskussion verwickelt wurde. Zu seinen wenigen Beiträgen
gehören neben der Anlage des Leopoldplatzes auch noch die Anlage
der englischen Stadt Sandhurst, die Anlage des Kreuzviertels in
Münster und des Three Horses Biers. Dann war er/sie wieder weg.
Mutter des Artikels ist hier aber 44Pinguine,
die den heutigen Inhalt maßgeblich prägt und auch heute noch aktiv
ist.
Nichts war für die Entwicklung des Weddings wohl so entscheidend
wie die Geschichte der AEG. Dieser Artikel stammte
in seiner Frühzeit von WHell,
engagiertem Wikifanten, mit ausführlicher
Artikelliste und Diskussionsseite, der uns 2007 verließ. Der
letzte Eintrag auf seiner Diskussionsseite war „Hallo WHell, ich
möchte Dich als den Hauptautor darüber informieren, dass ich den
Artikel John Bull (Lokomotive) in die Wiederwahl zum Exzellenten
Artikel gestellt habe,“ Größere Beiträge zur WEG folgten in den
späteren Jahren durch Peterobst –
aktiv von Februar bis April 2006 vor allem mit Beiträgen zur
Berliner Industriegeschichte, nach seiner Benutzerseite AEG-Kenner
und in Arbeit an einem Buch über den Konzern. Es folgten
80.226.238.197, von Georg
Slickers 2006 (auch heute noch aktiv, wenn auch recht
unregelmäßig), Flibbertigibbet
2006 ,
79.201.110.89 im Jahr 2008 und der unermüdlichen 44Pinguine.
Weiter ausgebaut von Onkel
Dittmeyer, aktiv von 2009 bis Juli 2015 in Technikthemen und
vielleicht immer noch unter neuem Account? Begann seine Karrier mit
der Nutzerseite „Hier ist Nichts und das soll so bleiben !“ und
hielt sich im Wesentlichen daran.
Da ist der Volkspark
Rehberge. Angelegt von Ramiro 2005,
aktiv 2005/2006, vor allem zum Thema Fußball. Maßgeblich ausgebaut,
umfassend überarbeitet 2007 von
84.190.89.208 und noch einmal 2010 stark erweitert von Katonka.
Landschaftsplaner mit unregelmäßigen Edits zwischen 2009 und 2014,
die Edits waren wenige, aber die Qualität war hoch.
Bild: LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin
Mitte - Panoramabild auf die Wiesen des Volkspark Rehberge in
Berlin, Wedding (Mitte). Von:
Patrick Franke Lizenz: CC-BY-SA
3.0
Neben diesen Verschwundenen tauchen glücklicherweise aber auch
heute noch aktive Wikifanten auf. Immer wieder 44Pinguine und
Fridolin freudenfett. Darüber hinaus Definitiv,
Magadan,
Flibbertigibbet und Jo.Fruechtnicht.
Die Artikel entstanden durch Wikifanten und IPs. Accounts mit nur
einem Thema oder anderen, die über Jahre thematisch sprangen.
Während in der Frühzeit aber viele verschiedene Accounts und IPs an
den Artikel beteiligt waren, waren in den letzten Jahren deutlich
weniger Menschen aktiv. Fast alle inhaltlichen Edits in den von mir
angesehenen Artikeln verteilen sich auf 44Pinguine, Fridolin
freudenfett und Definitiv. Wikipedia wird kleiner und noch lebt
sie. Aber wir können all‘ den Verschwundenen danken, die vor uns
kamen.
Seit nun schon ein paar Jahren hört man immer wieder über
Probleme in der kroatischen (und zu einem gewissen Grad auch der
serbischen) Wikipedia. Rechte Gruppen sollen das Projekt übernommen
haben und alle Wikipedianer, die nicht ihrer Meinung sind,
rausgeekelt oder einfach gesperrt haben.
Lange war nichts passiert, aber seit Ende letzten Jahres sah
sich die WMF dann doch mal die Situation an und es wurde schon
zumindest ein Admin gebannt.
Nun hat die WMF ein Abschlußdokument veröffentlicht; oder
genauer schon Mitte Juni und ich habe es erst heute bei reddit
gesehen. In dem Dokument finden sich solche Perlen, als das in hrwp
behauptet wurde, Nazi-Deutschland habe Polen überfallen weil Polen
einen Genozid an Deutschen verübt hätten.
Der ganze Bericht kann
hier gefunden werden. Mich macht die ganze Geschichte sowohl
traurig als auch wütend. Wikipedia soll die Leute so gut es geht
aufklären und nicht Propaganda verbreiten!
Ich habe heute dieses Blog auf einen neuen Server umgezogen,
sein DNS aktualisiert und sein SSL repariert. Werde versuchen, es
nun wieder öfters zu befüllen. Wünscht mir Glück 🙂.
Bereits seit gestern und noch bis zum 28. April laufen die
Oversighter-Wahlen. Doc Taxon, User:He3nry
und Nolispanmo treten zur Wiederwahl an. Ich wünsche: Viel
Erfolg!
Eine der schöneren unbekannten Ecken der Wikipedia ist die Seite
zur
Auskunft. Dort können Menschen mögliche und unmögliche Fragen
stellen, die dann mal launisch, mal larmoyant, mal ernsthaft oder
auch gar nicht beantwortet werden. Wie im wahren Leben und eine
ewige Fundgrube obskuren Wissens, seltsamer Fragestellungen und
logischen Extremsports.
Nicht die DDR. Bild: Giorgio Conrad
(1827-1889) - Mangiatori di maccheroni. Numero di catalogo:
102.
Dort nun fragte vor ein paar Tagen ein unangemeldeter Nutzer:
"Warum
gab es in der DDR eigentlich nur Makkaroni (die in Wirklichkeit
Maccheroncini waren), aber keine Spaghetti? Das erscheint mir nach
Lektüre einiger Bücher aus der DDR so gewesen zu sein und ist mir
auch so von meiner aus Ex-DDR-Bürgern bestehenden Verwandtschaft
bestätigt worden. Warum?"
Es folgte eine längere und mäandernde ausgiebige Diskussion, die
immerhin folgendes ergab:
* Anscheinend gab es in der DDR Spaghetti, zumindest erinnerten
sich einige der Diskutanten an derartige Kindheitserlebnisse.
* Ob Spaghetti so verbreitet waren wie Makkaroni oder Spirelli,
darüber bestand Uneinigkeit.
* Die Nudelsaucensituation war in Berlin besser als im Rest der
DDR.
* Die DDR allgemein pflegte in vielerlei Hinsicht traditionellere
Essgewohnheiten als Westdeutschland, die Küche der DDR ähnelte in
vielem mehr der deutschen Vorkriegsküche als dies für die
westdeutsche Küche gilt.
* In Vorkriegszeiten waren Makkaroni verbreiteter als
Spaghetti.
* Schon bei Erich Kästner wurden Makkaroni gegessen
* Der Makkaroni-Spaghetti turn im (west-)deutschen Sprachraum war
Mitte der 1960er
* Schuld könnten wahlweise das mangelnde Basilikum, die mangelnde
Tomatensauce, überhaupt mangelnde Kräuter, Italienreisen,
Gastarbeiter, Miracoli oder auch was ganz anderes sein.
* Klarer Konsens im Rahme: Sahne gehört keineswegs in Sauce
Carbonara!
Gab es in der DDR nicht: Miracoli. Bild:
Miracoli-Nudeln mit Mirácoli-Soße von Kraft. Von: Brian
Ammon, Lizenz: CC-BY-SA
3.0
Daneben tauchten eine ganze Menge Kindheitserinnerungen auf an
exotische Spaghettimahlzeiten mit kleingeschnittenen Spaghetti,
Ketchup-basierter Tomatensauce und anderen kulinarischen Exotika
des geteilten Deutschlands.
Einige Antworten, viel mehr Fragen:
* seit wann wird in Deutschland überhaupt Pasta gegessen?
* wie lange schon ist Tomatensauce verbreitet?
* seit wann essen westdeutsche Spaghetti?
* Und wer ist Schuld? Die Gastarbeiter? Die Italienurlauber?
Miracoli?
* Und wie kommen eigentlich die Löcher in die Makkaroni?
Also verließen wir dann erst einmal die Auskunft und die dortige
Diskussion und betrieben etwas weitere Recherche. Das heimische
"Kochbuch der Haushaltungs- und Kochschule des Badischen
Frauenvereins", veröffentlicht 1913 in Karlsruhe, kennt sowohl
Makkaroni wie auch Spaghetti. Ungewohnt für heute: die Makkaroni
werden in "halbfingerlange Stückchen gebrochen" und dann 25 bis 30
Minuten gekocht.
Neben den diversen Makkaroni-Gerichten gibt es auch einmal
Spaghetti. Die Priorität ist klar. Spaghetti werden erklärt als
"Spaghetti ist eine Art feine Makkaronisorte. Beim Einkauf achte
man darauf, daß sie nicht hohl sind"
Die "Basler Kochschule. Eine leichtfaßliche Anleitung zur
bürgerlichen und feineren Kochkunst" von 1908 kennt keine
Spaghetti aber diverse Gericht mit "Maccaronis". Darunter sogar
schon die Variante "a la napolitaine" mit Tomatensauce.
Weitere Recherche. Weitere Erkenntnisse bringt das Buch "Meine
Suche nach der besten Pasta der Welt: Eine Abenteuerreise durch
Italien", das die Ankunft der Makkaroni in Deutschland auf das
frühe 18. Jahrhundert verlegt. Die 1701 nachweisbaren "Macronen"
waren wohl eher Lasagne, aber Anfang des 18. Jahrhunderts
entstanden in Prag und Wien echte Makkaroni-Fabriken.
Die Pasta folgte anscheinend den jungen Männern der Grand Tour aus
Italien in das restliche Europa. Bestimmt waren die Grand Tours für
junge Männer, die mal etwas von der Welt sehen und klassische
europäische Bildung mitbekommen sollten, die auf der Tour aber
anscheinend nicht nur Statuen und Kirchen kennenlernten, sondern
auch Pasta.
Der Macaroni. Der Hipster seiner Zeit. Bild:
Philip Dawe: The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade,
1773.
In England gab es sogar einen eigenen Modestil Macaroni
für exaltierte junge Männer - "a fashionable fellow who dressed
and even spoke in an outlandishly affected and epicene
manner". Die englische Wikipedia schreibt dazu lakonisch:
"Siehe auch: Hipster. Metrosexuell." Komplett falsch wäre wohl auch
die Assoziation zur Toskana-Fraktion nicht.
Nach diesen extravagant und auffallend auftretenden jungen Männern
ist nun wiederum im Englischen der Macaroni
penguin - auf deutsch der Goldschopfpinguin - benannt.
Makkaroni-Penguin. Benannt nach dem Stil,
nicht nach den Nudeln. Bild: Macaroni Penguin at Cooper Bay, South
Georgia von Liam Quinn,
Lizenz: CC-BY-SA
2.0
Wie aber kommen nun die Löcher in die Makkaroni? Und seit wann?
Licht in dieses Dunkel bringt die "Encyclopedia
of Pasta." Diese lokalisiert die Entstehung der maschinellen
Pastafertigung - die für Makkaroni in zumutbarer Menge
unvermeidlich ist - in die Bucht von Neapel in das 16. Jahrhundert.
Dort existerte eine Heimindustrie mit Mühlen, an die sich relativ
problemlos eine im 16. Jahrhundert aufkommende ’ngegno da
maccarun anschließen lies, die es den Neapolitanern ersparte
stundenlang im Teig herumzulaufen, um ihn zu kneten: im
Wesentlichen Holzpressen mit einem Einsatz aus Kupfer, je nach Form
des Einsatzes entstehen verschiedene Nudelsorten und damit unter
anderem Makkaroni. Die Makkaroni wurden dann in langen Fäden zum
trocknen in die süditalienische Sonne gehängt.
Neapel, 19. Jahrhundert. Bild:
Giorgio Sommer (1834-1914), "Torre Annunziata-Napoli - Fabbrica di
maccheroni". Fotografia colorita a mano. Numero di catalogo:
6204.
Das hat alles nicht mehr wirklich etwas mit Spaghetti und der DDR
zu tun, beantwortet nicht, warum die Deutschen in den 1960ern
plötzlich lieber Spaghetti als Makkaroni mochten, oder warum die
Makkaroni bei ihrem ersten Zug über die Alpen die Tomatensauce in
der Schweiz ließen? Warum gibt es in Deutschland kein Äquivalent zu
"Macaroni and cheese" (mehr)? Gab es ein Miracoli-Äquivalent in der
DDR, bei dem es Pasta, Sauce und Käse schon in einer Packung gab?
Warum sind Makkaroni in Deutschland tendenziell lang und dünn in
vielen anderen Ländern aber dicker und hörnchenförmig-gebogen? Es
ist hochspannend. Und ein Grund, noch viel mehr zu
recherchieren.
Seit 2019 wählt das Wikiversum die coolsten Tools, die besten
Hilfsmittel, um in Wikipedia und anderen Wikis zu werken. Eines
davon ist der Pywikibot, der Bot aller Bots.
Schneeregen fegte waagerecht über Vorplatz des Tempelhofer
Hafens. Mein Pullover war gar nicht so kuschlig und dicht wie ich
ihn in Erinnerung hatte. Die Handschuhe waren im Laufe der Jahre so
fadenscheinig geworden, dass eine einzelne kurze Radtour die Finger
vereisen ließ.
Ein einsamer, von Weihnachten übrig gebliebener,
Quarkkeulchen-Stand vor dem Tempelhofer Hafen. Seine Lichter
verhießen Wärme. Der Weg dorthin: Von Entbehrungen gezeichnet. Der
Wind, der einem aus allen Richtungen ins Gesicht blies, trieb die
Leute davon. Sie wussten nicht wohin, denn alles war geschlossen
und zu Hause wollten sie ihre Mitbewohner nicht mehr sehen. Über
der Szene kreiste ein hungriger Taubenschwarm.
„Ist es nicht herrlich“, fragte ich DJ Hüpfburg. „So viel Platz!
Fast das ganze Hafengelände gehört uns. Und wir können uns
problemlos aus drei Meter Sicherheitsabstand anschreien.“ – Sie
antwortete „Du spinnst. Es ist scheißkalt. Ich bibbere. Das letzte
Mal, als ich so gefroren habe, bin ich im Rozbrat mit meiner
ehemaligen Band aufgetreten: „Pierdzące Zakonnice“.
Wir spielten Prog-Punk. Kein Wasser, keine Heizung und ein
sibirischer Windhauch kam aus Richtung Minsk. Wer auf Toilette
wollte, hat einen Eispickel in die Hand bekommen, falls das
Plumpsklo wieder zugefroren war. Und am Ende des Abends haben wir
Wahlplakate im Konzertsaal verbrannt, um nicht ganz zu
erfrieren.
Aber wir haben gerockt: Kasia an der Geige, die andere Kasia am
Theremin, ich an der KitchenAid und Anna am Gong und an der
Rezitation. So viel Kunst war nie wieder davor oder danach im
Rozbrat. Leider war es den Pferden zu kalt, so dass die weiße
Kutsche ausgefallen ist. Hier am Hafen ist keine Kunst. Hier ist es
nur scheißkalt. Ich gehe.“
Später, im Chat. Hüpfburgs Schilderung hatte mich an ein Video
erinnert, das ich kurz vorher gesehen hatte: „Wikimedia
Coolest Tool Award 2020.“ in meinen Versuchen, DJ Hüpfburg für
die Wikipedia und ihr Umfeld zu begeistern, postete ich ihr den
Link.
Southgeist: Aber Tools. Nur mit ausgewählten Menschen. Fast
nur Technik und kreative Sachen.
Hüpfburg: Wikipedia spießerfrei? Du meinst, das soll
gehen?
Southgeist: Schau doch mal.
Hüpfburg: Ich sehe jetzt schon drei Minuten lang Berliner
Straßen ohne Ton. Ich dachte schon, meine Lautsprecher wären
kaputt.
Hüpfburg: I like the music.
Southgeist: Eben. Warte erst auf die Tools.
Hüpfburg: 52 Minuten! So lange soll ich Wikipedia schauen?
In der Zeit zerstöre ich zwei Ehen, bringe einen Priester vom
Glauben ab und bringe drei Paare neu zueinander. Sage mir lieber,
was für Tools vorkommen.
Die coolest Tools
Ich erzählte.
Im Video werden vorgestellt: Der AutoWikiBrowser
(Hüpfburg: „Da klingt der Name schon langweilig“), SDZeroBot
generiert Benutzerseitenreports („Mich interessieren weder Benutzer
noch ihre Seiten“), Proofread
Page Extension („Korrekturlesen, geht es noch spießiger?“),
Listen to Wikipedia
(„Schön, aber reichlich Kitsch. Wenn eines Tages zwei Wikipedianer
kommen und einander heiraten wollen, werde ich das Tool in den
Event integrieren“), AbuseFilter
(„Zu sehr Polizei“), LinguaLibre („I
like“), und Pywikibot – ein Tool zum Erstellen weiterer Tools.
(„Das klingt spannend – erzähle mir mehr.“)
Pywikibot
Pywikibot ist ein Framework zum Erstellen von Bots. Oder anders
gesagt: wer sich den Pywikibot installiert, kann mit überschaubarem
Aufwand eigene Bots schaffen. Oder sich an einem der bereits auf
dieser Basis geschaffenen Skripte bedienen. Die Bots können
prinzipiell alles, was menschliche Nutzer von MediaWiki-Wikis auch
können – nur schneller.
Wobei können in diesem Zusammenhang natürlich bedeutet: jemensch
muss dem Bot vorher sagen, was er tun soll. Das dauert länger als
ein Edit. Der Bot kommt sinnvoll ins Spiel, wo es eine hohe Zahl
gleichartiger Edits gibt. Zum Artikelschreiben ist das wenig – zum
Anpassen von Formalien ist es super. Und dazwischen liegt ein
Graubereich. Nicht alles ist sinnvoll, nicht alles ist erlaubt –
und um die Kontrolle zu wahren, hat der Pywikibot einen
automatischen Slow-Down-Mechanismus, der den Bot absichtlich
ausbremst.
Pywikibot geht zurück auf verschiedene Bots und Skripte aus dem
Jahr 2003, existiert in dieser Form seit etwa 2008. Die aktuelle
Variante ist in und für Python 3 geschrieben. Die Community, die
sich um das Framework kümmert, hat eine dreistellige Zahl von
Mitgliedern und ist so international, wie es die frühe Wikipedia
war. Rein aus dem Bauchgefühl heraus würde ich auch sagen, was
Charaktertypen und Soziodemographie angeht, ist die
Pywikibot-Gruppe sehr viel näher an der Ur-Wikipedia als die
heutigen Wikipedistas.
DJ Hüpfburg: „Du sagst es. Alt-Wikipedia. Diese Tool-Awards sind
solche Lebenswerkauszeichungen? Das Bot-Framework gibt es seit fast
20 Jahren, das Proofread-Tool existiert seit fast 15 Jahren. Ist
der Award so langsam oder gibt es so wenig Neues?“
Ich glaube, der Award ist langsam. Beziehungsweise er existiert
erst seit letztem Jahr. Jetzt muss er die ganzen Tools der letzten
Jahrzehnte durchprämieren, damit die nicht vergessen werden. Wie
bei der Wikipedia auch: Die Grundlagen wurden vor langer Zeit
gelegt. Alles, was jetzt kommt, baut darauf an, verbessert, schafft
aber nur selten fundamental Neues.
Change Musiker to Musiker*innen
„Außer dem Tool-Award. Der ist neu? Und dem Video nach zu
urteilen reichlich großartig.“
Yup. Und er hat mir und dir den Pywikibot gelehrt und damit eine
wichtige Aufgabe erfüllt.
DJ Hüpfburg: „Ich kann also auf Basis von Pywikibot alle
‚Musiker‘ in Wikipedia durch ‚Musiker*innen‘ ersetzen?“
Ich: „Theoretisch ja. Praktisch gibt es verschiedene Hindernisse.
Und du wirst auf ewig gesperrt werden.“
DJ Hüpfburg: „Dachte ich. Noch so jung und schon so
strukturkonservativ diese Website. Wäre sie ein Mensch, würde sie
einen beigen Pullunder über weißem Hemd tragen und Leserbriefe an
die Fernsehzeitschrift schreiben. Aber ich kann mein eigenes Wiki
aufsetzen und da noch Herzenslust alles bot-mäßig umbauen?“
Ich: „Yup. Wikidata freut sich auch. Da gibt es noch viel zu tun
und die sind superfreundlich dort.“
DJ Hüpfburg: „Ich auf meinem Pybot einreitend in Wikidata! Das
wäre fast so gut wie im Rozbrat. Mit der Kutsche, die dann doch
nicht kam. Irgendwann im Laufe des Abends spielten wir Mozart. Da
haben die Squatter angefangen mit Äpfeln zu werfen. Wir uns hinter
dem Gong geduckt und ich ein Kitchen-Aid-Solo. Ich erinnere mich
noch an den einen Tänzer, der allein Stand und Luft-Küchenmaschine
gespielt hat. Ein Arm angwickelt am Körper als würde er die
Maschine an sich drücken, mit dem anderen weit ausholende
Bewegungen, um dann auf dem Einschaltknopf zu laden.“
„Leider hatten wir dem Publikum einen Mozart-Schock versetzt und
die wollten uns nicht mehr gehen. Dadurch hatten wir alle
Auftrittsorte in Posen durch. Kasia ging nach Prag und Paris,
Jazz-Theremin studieren. „Ein Juwel unter unserer Studentinnen“
sagte mal eine Professorin. Kasia wäre fast dieses Jahr in der
Philharmonie aufgetreten. Aber Deine komische Wikipedia hat immer
noch keinen Artikel von ihr.“
Ich: „Es ist nicht meine Wikipedia.“
Ruhe. Hüpfburg dachte.
„Dieser Bot. Der kann doch sicher in Wikidata alle Personen
auslesen, die Theremin spielen. Und dann eine Liste in Wikipedia
anlegen. Die regelmäßig erneuert wird. Das müsste doch gehen.
Vielleicht ist es einen Versuch wert.“